Wir sind sehr betroffen und mÙssen Abschied nehmen von Pfarrer
i. R. Christfried Berger, unserem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe
Bausoldatenkongress 2004. Den Jubil¹umskongress, der auch
auf seine Idee hin vorbereitet wird, kann er nun nicht mehr
erleben.
Nach einem dramatischen Autounfall eine Woche vor Ostern 2003
und langmonatigem Aufenthalt in verschiedenen Krankenh¹usern
befand er sich auf dem hoffnungsvollen Weg der Besserung.
Er konnte bereits die vorbereitende Kongressarbeit wieder
aufnehmen und hatte viel Freude und Zuversicht. Unerwartete
Komplikationen warfen ihn wieder auf das Krankenlager, an
denen er am Bu¤tag, 19. November 2003 verstarb.
Christfried Bergers Leben war gepr¹gt von einem hohen Engagement
fÙr die Friedensarbeit und fÙr die weltweite Ékumene.
Er hat - ebenso wie andere junge M¹nner - den Kriegsdienst
vor EinfÙhrung der Baueinheiten in der ehemaligen DDR abgelehnt.
1965 beteiligte er sich bei der Vorbereitung der "Handreichung
zur Seelsorge an Wehrpflichtigen" unter Leitung von Bischof
J¹nicke. Auch in den weiteren Jahren widmete Christfried Berger
sich immer wieder der Sammlung und Organisierung der Friedensgruppen.
Die weltweite Partnerschaft mit den verschiedenen christlichen
Glaubensrichtungen hat weitgehend sein berufliches Leben gepr¹gt.
Von den vielen L¹ndern, denen seine besondere Liebe galt,
seien als Beispiele Polen, Israel und Tansania genannt.
Auch w¹hrend seines Ruhestandes, in dem er eigentlich nie
so recht "zur Ruhe" gekommen ist, hat er sich mit gro¤em Einsatz
den in Berlin und Brandenburg lebenden christlichen Ausl¹ndern
gewidmet. Gro¤e Verdienste erwarb er sich um die GrÙndung
und weitere Begleitung des "Internationalen Konvents Christlicher
Gemeinden in Berlin und Brandenburg e.V.", der 80 - 100 Gemeinden
vereinigt.
Christfried Berger ist ein Beispiel fÙr tatkr¹ftig ausgebreitetes
Evangelium. Er hat als Seelsorger gÙtig Konflikte gelùst und
es vermocht, mit Charisma Menschen fÙr den Weg des Friedens
und der Versùhnung zu begeistern.
Biografie
| 7. Januar 1938: |
Geboren in Posen. Der Vater, ebenfalls Pfarrer, starb
im Krieg. Die Flucht fÙhrte die Familie (Mutter, Bruder
und Schwester) nach Gotha. |
| 1956: |
Abitur in Gotha
|
| 1956 bis 1961: |
Studium der Evangelischen Theologie an der Humboldt-Universit¹t
|
| 1961 bis 1963: |
Vikariat in Zeuthen und am Predigerseminar in Brandenburg,
unter anderem bei Albrecht Schùnherr.
Auseinandersetzung mit den Behùrden wegen der Verhaftung
von Mitgliedern der Jungen Gemeinde Berlin-Schmùckwitz
1961.
Theologisches Examen mit der Arbeit "Krieg, Kriegsdienst
und Kriegsdienstverweigerung bei Dietrich Bonhoeffer"
Assistent am Ékumenischen Institut Berlin; Ordination
|
| 1964 bis 1966: |
Als erster ordinierter Pfarrer waffendienstverweigernder
Bausoldat (Prenzlau I)
Danach Aufbau und mehrj¹hrige Leitung des illegalen Konvents
ehemaliger Bausoldaten in der DDR. Intensive Beobachtung
durch das MfS.
Eheschlie¤ung mit Almuth Brennecke, der heutigen Ausl¹nderbeauftragten
des Landes Brandenburg. |
| 1966 bis 1976: |
Pfarrer in Berlin-Schmùckwitz. Geburt der Tùchter Bettina,
Anette und Christina.
|
| 1976 bis 1985: |
Oberkonsistorialrat und Dezernent fÙr Ékumene, Mission
und Diakonie im Ev. Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen
in Magdeburg.
Mitarbeiter in der Dialogabteilung des Ékumenischen Rates
der Kirchen (ÉRK) in Genf. Arbeit in verschiedenen ùkumenischen
Gremien und Arbeitskreisen u.a. in den Bereichen Polen,
christlich-jÙdische Zusammenarbeit und jÙdische Regionalgeschichte.
Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und Ausl¹nder
in der DDR, zeitweiliger Vorsitz der Ékumene-Kommission
des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR.
GrÙndungsherausgeber des informellen Infodienstes "Ékumene-Brief"
|
| 1985: |
Direktor des Ékumenisch-Missionarischen Zentrums der
Berliner Missionsgesellschaft, Georgenkirchstr.
|
| 1989/90: |
Moderator der "Arbeitsgruppe Ausl¹nderpolitik des Zentralen
Runden Tisches" in Berlin. |
| 1992: |
Leiter des Ékumenisch-Missionarischen Institutes des
Ékumenischen Rates Berlin-Brandenburg |
| 1997: |
Ruhestand
Langj¹hriger Gesch¹ftsfÙhrer des Internationalen Konvents
Christlicher Gemeinden in Berlin und Brandenburg e.V.
MitbegrÙnder und langj¹hriges Vorstandsmitglied der Berliner
Gesellschaft fÙr Missionsgeschichte e. V. (BGMG)
|
| 19.11.2003: |
Tod in Berlin |
Publikationen
Herausgeber von "Als die Synagogen brannten". Kristallnacht
und Kirche 1938-1978, Berlin 1978.
Genfer Zwischenbilanz - Werkstattberichte von Mitarbeitern
des Ékumenischen Rates der Kirchen, Berlin 1981.
Katharina Gaede mit Christfried Berger und Hans-Christian
Diedrich:
Spuren in der Vergangenheit - Begegnungen in der Gegenwart.
Glauben, Lehren und Leben in orthodoxen, altorientalischen
und evangelischen Kirchen. Festschrift fÙr Hans-Dieter Dùpmann,
Berlin 1999.
Christliche internationale Gottesdienste ... der fremdsprachigen
Gemeinden in Berlin und Brandenburg.
Berlin 2003 - 2004
Wolfgang Stadthaus