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Vor zehn Jahren, am 10.9.1989, wurde in der DDR ein Aufruf zu dem berühmten Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Der Gründungsaufruf des Neuen Forums wurde zur Initialzündung für Hunderttausende von DDR-Bürgern, ihr Schweigen zu brechen.
Die Erstunterzeichner des Aufrufes, wie Bärbel Bohley, Jens Reich, Sebastian Pflugbeil und Reinhard Schult bekamen damals Briefe aus dem ganzen Land.
Aus rund 1000 Briefen an das Neue Forum, die sich in der Robert-Havemann-Gesellschaft befinden, wurde eine repräsentative Auswahl getroffen. Die 289 für diesen Band der Schriftenreihe der Gesellschaft ausgewählten Briefe lassen noch einmal die Monate lebendig werden, in denen die DDR-Bürger aufstanden.
Menschen verschiedenster Berufe und Altersgruppen haben geschrieben: Handwerker, Studenten, Schüler, Arbeiter, Rentner, Kindergärtnerinnen, Wissenschaftler. Manchmal waren es ganze Arbeitskollektive, Freundeskreise oder Familien, die sich an das Neue Forum wandten. Auffallend viele Briefe kamen von NVA-Angehörigen: Soldaten, Unteroffiziere, Bausoldaten, Offiziersschüler.
Von der Zeit des Aufbruchs im September 1989 bis kurz nach der Volkskammerwahl im März 1990 geschrieben, geben die Briefe unerwartet genaue Einblicke in die Befindlichkeiten der DDR-Bürger, als sie selber Geschichte machten. Die Euphorie dieser Zeit, aber auch die Unsicherheit werden eindrucksvoll sichtbar. Es ist eine Chronologie besonderer Art entstanden: ein Tagebuch der Umwälzung, geschrieben von einer Vielzahl unbekannt gebliebener Menschen.
Gefördert mit Mitteln der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
