8.05.1989 - Lutz Rathenows Kurzaufenthalt in Westberlin

Rathenow mit den ausgewiesenen Bürgerrechtlern Roland Jahnd und Jürgern Fuchs (v.l.n.r.). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12579

Der oppositionelle Schriftsteller Lutz Rathenow bekam im Mai 1989 eine Ausnahmegenehmigung für eine Reise zu einer Preisverleihung nach Wien. Dort erhielt er den Jörg-Mauthe-Preis für Auszüge aus seinem Ostberlin-Buch. Seine Reise beginnt und endet am Westberliner Flughafen Tegel, das erbaten auf Wunsch Rathenows die Wiener Veranstalter von der DDR - obwohl es teurer war als Schönefeld (Ostberlin) als Abflugs- und Ankunftsort. Rathenow nutzt die Gelegenheit und besucht die Westberliner Ost-Oppositionsszene.

Für die Oppositionsgruppen in der DDR waren die Verbindungen in die Bundesrepublik Deutschland und besonders West-Berlin von enormer Bedeutung. Ein Netzwerk von alten Freunden, übergesiedelten und ausgewiesenen Bürgerrechtlern sowie in der DDR akkreditierte Korrespondenten westdeutscher Medien verhalfen den Gruppen zu einer Öffentlichkeit im Westen und informieren die DDR-Bevölkerung durch Rundfunk und Fernsehen über die Missstände in Ost-Deutschland. Einige dieser Freunde, wie den Schriftsteller Jürgen Fuchs und die Journalisten Roland Jahn und Rüdiger Rosenthal besuchte Lutz Rathenow im Mai 1989 vor und nach seinem Aufenhalt in Wien.

Nach Wien zur Preisverleihung durfte der Schriftsteller auf Grund einer Vier-Tages-Reisegenehmigung vom 8. bis 11. Mai 1989, die er allerdings um einen Tag überzog und erst am 12. Mai 1989 wieder nach Ost-Berlin zurückkehrte. Die Parteioberen räumten ihm offenbar aus Rücksicht auf das Verhältnis zu den österreichischen Nachbarn eine erstmalige West-Reisegenehmigung ein, ließen es sich aber nicht nehmen Rathenow nach der Rückkehr, auf Grund einer im westberliner Rundfunk gelesen Passage aus dem in Wien prämierten Ostberlin-Buch, wieder ein Reiseverbot zu verkünden. Immerhin bei einem extra Termin im Ministerium für Kultur.

Lutz Rathenow vor dem Brandenburger Tor. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12573

In West-Berlin gab es für Rathenow neben einem Wiedersehen mit den alten Freunden das volle touristische Programm, inklusive Fotosession vor dem Schalter der amerikanischen Flug Linie Pan Am und einem Besuch bei der Redaktion der Westberliner Zeitung TAZ. Besonders die Bilder auf der Westseite des Brandenburger Tors zeugen vom Genuss des kurzzeitigen Triumphs über das kommunistische System. Es sollte noch einige Monate dauern bis allen DDR-Bürgern dieses Gefühl vergönnt sein sollte.

Lutz Rathenow vor einer Filiale der amerikanischen Airline Pan Am. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12558
Lutz Rathenow und Rüdiger Rosenthal in der Westberliner Innenstadt. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12561
Lutz Rathenow in der Westberliner Innenstadt. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12562
Lutz Rathenow vor dem Redaktionsgebäude der TAZ. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12564
Lutz Rathenow in einem Westberliner Buchladen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12567
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12572
Lutz Rathenow vor dem Brandenburger Tor. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12573
Lutz Rathenow und Roland Jahn, Blick über die Spree nach Ostberlin. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12575
Rüdiger Rosenthal und Lutz Rathenow, Blick auf die Berliner Mauer. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12576
Rathenow mit den ausgewiesenen Bürgerrechtlern Roland Jahn (mitte) und Jürgern Fuchs (links). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12578
Rathenow mit den ausgewiesenen Bürgerrechtlern Roland Jahnd und Jürgern Fuchs (v.l.n.r.). Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12579
Die Stasi ist über Rathenows Aufenthalt in Westberlin informiert: Zusammen am Tisch mit Rathenow und Rüdiger Rosenthal sitzt der inoffizielle Mitarbeiter Sascha Anderson. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12585
Lutz Rathenow, Lutz Leibner und Roland Jahn auf dem Dach von Leibners Atelier. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12591
Lutz Rathenow und Rüdiger Rosenthal auf dem Dach des Ateliers des aus der DDR stammenden Künstlers Lutz Leibner. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12594
Lutz Rathenow zusammen mit Roland Jahn (links) und Jürgen Fuchs (rechts) am Westberliner Flughafen Tegel. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_HAB_12598