Bilder von Robert Conrad aus dem Archiv der DDR-Opposition

Festival Jugend86 in Rudolstadt, Juli 1986. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_0048
Ehemaliges Kasernengelände der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) in Bernau, 1. Oktober 1994. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_0823.
Ehemaliges Kasernengelände der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) in Bernau, 11. März 1991. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_6112
Verfallene Häuser in der ehemaligen Wilhelm-Pieck-Allee in Greifswald, 1989. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_1995.
Städteverfall in Greifswald, Loeffler-/Ecke Fischstraße 1986. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_2013
Städteverfall in Greifswald, ohne Datum ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_2020
Geisterbahnhof in der Oranienburger Straße, ohne Datum. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_2515
Aufnahme der Berliner Mauer, ohne Datum ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad RHG_Fo_RoCon_2621
Aufnahme der Berliner Mauer, 1990 ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_2643
Aufnahme der Berliner Mauer, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark Juni 1990, ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_2748
Zugemauerter Hauseingang in der Kremmener Straße, Berlin Juni 1990 ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_2751
Aufnahme der Berliner Mauer, Gleimstraße Berlin März 1990 © Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad,RHG_Fo_RoCon_2809

Fotobestand Robert Conrad

Robert Conrad wurde 1962 in Quedlinburg geboren. Ab März 1964 wuchs Robert Conrad in Greifswald auf. Hier entdeckte er seine Liebe zur Architektur und Fotografie, eine Liebe, die ihn zum Staatsfeind werden ließ.

Ende der 1960er Jahre begannen Stadtplaner in der DDR neue Strategien für die Sanierung der verfallenen Altstadtkerne zu erarbeiten. In mehreren Abschnitten sollte die Greifswalder Altstadt abgerissen und durch modifizierte Plattenbauten ersetzt werden. Mitte der 1970er Jahre begannen die Abrissbagger mit ihrem zerstörerischen Werk. Ganze teile der Altstadt verschwanden, darunter auch ausgewiesene Baudenkmäler. Ab 1983 begann Robert Conrad die vom Abriss bedrohten Teile der Altstadt fotografisch zu dokumentieren. Dabei entstanden neben Fotos von den Ruinen der alten Bausubstanz und von den Brachen nach deren Abriss auch beeindruckende Aufnahmen vom Alltag der in der Altstadt verbliebenen Bewohner. Zu dieser Zeit begann er, angeregt durch einen Freund, auch mit Super-8-Technik zu experimentieren. So entstanden neben den fotografischen Aufnahmen Filmsequenzen vom Verlust der Greifswalder Altstadt. Robert Conrad beschränkte sich dabei nun nicht mehr nur auf seine Heimatstadt. Er knüpfte Kontakte zu Gleichgesinnten in der ganzen DDR und begann ab Mitte der 1980er Jahre den Verfall von historischen Innenstädten in Rostock, Schwerin, Dresden, Leipzig, Berlin, Jena und Aschersleben fotografisch zu dokumentieren.

Abseits des staatlich organisierten Kulturbetriebes organisierte Robert Conrad in Greifswald mit seinen Freunden Lesungen und nichtgenehmigte Rock- und Punkkonzerte in Abrisshäusern und Hinterhöfen. Bei diesen Veranstaltungen zeigte er häufig seine Dia- und Fotoaufnahmen vom Verschwinden der Greifswalder Altstadt. Er engagierte sich aktiv an der Organisation von Gemeindeveranstaltungen der Evangelischen Studentengemeinde (ESG), zu denen Künstler und Autoren wie Heiner Müller, Lutz Rathenow, Uwe Kolbe und Stephan Krawczyk eingeladen wurden.

Durch Zufall ergab sich für Robert Conrad im Sommer 1985 die Möglichkeit, an einer Reise in die Sowjetunion teilzunehmen. Eine Freundin, die sich später als Stasi-Spitzel herausstellte, war erkrankt und konnte an der Reise nicht teilnehmen. Robert Conrad bekam ihren Platz und konnte so nach Moskau, Tiflis, Jerewan und Baku reisen. Kurz vor dem Ende der Reise entfernte sich Robert Conrad unerlaubt von seiner Reisegruppe und macht sich per Anhalter alleine auf den Weg durch die Sowjetunion. Doch schon bald wird er von der Polizei festgenommen, dem KGB übergeben und den ostdeutschen Behörden überstellt. Seine, während der Reise gemachten Fotos vom Alltag in der Sowjetunion wurden ihm, wie durch ein Wunder nicht abgenommen.

Nach dem Abitur bewirbt sich Conrad für ein Architekturstudium in Weimar, wird aber auf Grund seiner politischen Aktivitäten nicht zum Studium zugelassen. In der Zwischenzeit arbeitete er als Heizer, Postbote, Buchhandlungsgehilfe und Bauarbeiter. Frustriert brach er 1987 seine Zelte in Greifswald ab und zog in den Prenzlauer Berg nach Ost-Berlin. Hier hatte er ein Déjá-Vu Erlebnis, als er erfuhr, dass weiten Teilen des bereits im Verfall befindlichen Prenzlauer Berges der planmäßige Abriss drohte.  Also schnappte er sich seine Kamera und zog wieder los, um den bedrohten Bezirk wenigstens fotografisch festzuhalten. Bei seinen fotografischen Streifzügen durch Ost-Berlin machte er auch viele heimliche Aufnahmen von der Mauer. Immer wieder verschaffte er sich Zutritt zu Häusern in der Nähe der Mauer um von den Dächern aus, dieses Bauwerk zu fotografieren.

Von 1990 bis 1998 studierte er Kunstgeschichte und Architektur in Berlin. In dieser Zeit, die zu seiner produktivsten gehörte, entstanden umfangreiche Fotoserien. Als angehender Architekt interessierten ihn dabei besonders die baulichen Relikte aus der DDR-Zeit. Systematisch dokumentierte Robert Conrad die Berliner Mauer von der ersten Öffnung bis zur Demontage. Er war einer der ersten, der die seit dem 13. August 1961 stillgelegten U- und S-Bahnhöfe im Berliner Untergrund fotografierte. Es folgten Fotoserien über das MfS-Gefängnis in Berlin Hohenschönhausen, die U-Haftanstalten in Rostock und Greifswald und das Gefängnis in Rüdersdorf bei Berlin.

Seit 1990 fotografierte er die baulichen Relikte der Sowjetarmee in der DDR und 1994 den Abschied der Westgruppe der russischen Streitkräfte in Wünsdorf. Er reiste in den 1990er Jahren häufig nach Polen, Lettland und Estland, um dort ebenfalls die baulichen Relikte der kommunistischen Diktaturen fotografisch festzuhalten.

Robert Conrad lebt und arbeitet heute als freier Architekturfotograf und Bauhistoriker in Berlin.
Die Archivierung des Fotobestandes des Robert Conrad wurde aus Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert.

 

Fotobestand: Robert Conrad

  • Zeitraum: 1981 bis 2010
  • Umfang: ca. 45.000 Fotos digital, davon 7.202 Fotos in einer AUGIAS-Datenbank verzeichnet

Hinweis:

Zurzeit sind noch keine Fotos aus dem Bestand Robert Conrad in der Online-Datenbank recherchierbar. Eine Bereitstellung von Fotos für die Online-Recherche ist für 2019 geplant. Bei Fragen zu Fotos aus dem Bestand wenden Sie sich bitte an den zuständigen Mitarbeiter.

Ausgewählte Arbeiten:

2018 Einzelausstellung „Ost-Berlin 1985“ in der Galerie Similde, Leipzig

2017 Ausstellungsbeteiligungen „Warschauer Punk Pakt. Punk im Ostblock 1977-89“, Galerie KUB Leipzig, "70Künstler/innen - 70 Bilder", Galerie F92, Berlin

2015 Bildband „Stillgelegt“, zusammen mit den Fotografen Thomas Kemnitz und Michael Täger, DuMont-Verlag, Ostfildern

Fotografien für die Homepage „Chronik der Mauer“ des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Bundeszentrale für politische Bildung

2014 Beteiligung am Berliner Ausstellungsprojekt „Lichtgrenze“ der Robert-Havemann-Gesellschaft mit Open-Air-Fotoausstellung anlässlich des 25. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer

2013/14 Fotodokumentation des Regierungsflughafens Berlin und des Flughafens „Otto Lilienthal“ Berlin Tegel für das Landesdenkmalamt Berlin sowie des ehemaligen Staatsateliers Arno Breker für die Bernhard-Heiliger-Stiftung, Berlin

2013 Ausstellungsbeteiligung im Kontext der Retrospektive "Geschlossene Gesellschaft - künstlerische Fotografie in der DDR 1949-1989" in der Berlinischen Galerie: „Outside GDR“, Staatsgalerie Prenzlauer Berg, Berlin

Ausstellungsbeteiligung "Aufbruch im Norden. Die Friedliche Revolution in Mecklenburg-Vorpommern 1989/90“, die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, LStU

2012 und 2013 Einzelausstellung „Heimatkunde - Greifswald in den 1980er Jahren“, Pommersches Landesmuseum, Greifswald.

Fotografien für die Dauerausstellung „Die Mauer“ von Yadegar Asisi am ehemaligen Berliner „Checkpoint Charlie“

2010 bis 2012 Fotografien für Ausstellung und Katalog „Unerkannt durch Freundesland. Illegale Reisen durch das Sowjetreich“

2008 bis 2012 Einzelausstellung „Plattensterben“ Fotografien zum Thema Bevölkerungsrückgang in den neuen Bundesländern: Berlin, Wittenberg, Greifswald, Köln, Ueckermünde.

2004 Künstlerförderung durch die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst Bonn

2004 Fotografien für den Architekturführer „Architektur in Berlin 1933 - 1945“, Auftragsarbeit für den Lukas-Verlag Berlin, 2. Auflage 2007, und für die Text-/Bild-Bände

1997 und 1998 Ausstellungsbeteiligungen „Boheme und Diktatur“, Deutsches Historisches Museum Berlin und „Macht und Monument“, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt/Main

1996 Fotobuch „Zerfall & Abriss. Greifswald in den 80er Jahren“, Verlag Lutz Wohlrab, Berlin, Dritte Auflage 2012, Künstlerförderung durch die Stadt Greifswald




Kontakt

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Ruschestraße 103,
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co(at)havemann-gesellschaft.de

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