„die andere” Wochenzeitung

Im Dezember 1989 wurde die Wochenzeitung ‚die andere’ gegründet und im eigens zu diesem Zweck ins Leben gerufenen Berliner BasisDruck-Verlag herausgegeben. Initiiert vom Neuen Forum verstand sich diese erste unabhängige überregionale Zeitung in der DDR als Sprachrohr der Bürgerbewegung. Die Lizenz für die Herausgabe der Zeitung besaß der Landessprecherrat als damaliges Leitungsgremium des Neuen Forums. Am 21. Januar 1990 erschien mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren die erste Ausgabe der neuen Wochenzeitung, die „gewissermaßen ein Samisdat-Produkt auf dem freien Markt.” (DIE ZEIT) war.

Lediglich sechs Wochen später trat die Redaktion aufgrund unüberbrückbarer Differenzen mit dem Herausgeber, dem Redaktionsbeirat und dem Verlag geschlossen zurück. Der Redaktionsbeirat forderte eine aktuellere und vor allem politischere Berichterstattung, während die Redaktion einen kulturellen Schwerpunkt wünschte. Zudem sorgte die prekäre Finanzsituation und daraus resultierende schlechte Bezahlung für Unmut bei den Redakteurinnen und Redakteuren. Mit Hilfe von Spenden wurde eine zweite Redaktion aus Vertretern der Bürgerbewegung aufgebaut, der u.a. auch Bärbel Bohley und Jens Reich angehörte. Sie übernahm für etwa zwei Jahre die Geschäfte, ehe ein drittes Redaktionsteam zu Beginn des Jahres 1992 versuchte, die Zeitung in einem inzwischen stark veränderten gesellschaftlichen und politischen Umfeld neu zu positionieren. Aufgrund des Abdrucks von Gehaltslisten des Ministeriums für Staatssicherheit im Frühjahr 1991 und den in der Folge zu entrichtenden Ordnungsgeldern und Gerichtskosten sowie der rückläufigen Auflagenzahl, sahen sich Redaktion und Herausgeber nicht mehr in der Lage, die Wochenzeitung weiterzuführen. Im August 1992 stellte sie schließlich ihre Tätigkeit ein.


Slider "die andere"

Cover der ersten Ausgabe der Zeitung "die andere". ©Robert-Havemann-Gesellschaft/DA_1990_01_25_N°01_01
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©Robert-Havemann-Gesellschaft/DA_1990_10_04_N__37_03
Erster Teil der Veröffentlichung der Zeitung "die andere" zu den hauptamtlichen Mitarbeitern der Staatssicherheit.
©Robert-Havemann-Gesellschaft/DA_1991_03_20_N__12_01
Gehaltsliste der hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/DA_1991_04_03_N__14_18
Dritter Teil der Veröffentlichung der Zeitung "die andere" zu den hauptamtlichen Mitarbeitern der Staatssicherheit.
©Robert-Havemann-Gesellschaft/DA_1991_04_03_N__14_01
©Robert-Havemann-Gesellschaft/DA_1990_07_11_N__25_03
 

Bestand

Laufzeit: 1990-1993
Umfang: 80 Bde., 3 Archivboxen A3
Findmittel: Findbuch
Signatur: AND
Benutzungsbeschränkungen: keine

Zu den online recherchierbaren Verzeichnungseinheiten des Bestands

Inhalt:

  1. Redaktionelle Unterlagen: Manuskripte (veröffentlichte und unveröffentlichte), Korrekturbögen, Satzspiegel, Protokolle zu den Redaktionssitzungen, Arbeitspläne, thematische Materialsammlungen,
  2. Korrespondenz: Briefwechsel der Herausgeber, des Beirats und der Redaktionsmitglieder mit Einzelpersonen und Körperschaften, Leserbriefe, Zuschriften,
  3. Unterlagen zum Layout: Analysen, Skizzen, Entwürfe,
  4. Unterlagen zu Abonnenten und zum Vertrieb: Korrespondenz, Bestellungen, Versandlisten,
  5. Finanzunterlagen: Bilanzen, Finanzpläne, Abrechnungen,
  6. Studien von Mitgliedern der Redaktion: Entwicklung der 1990 in der DDR entstandenen unabhängigen Zeitungen, Wirken der Bürgerbewegung auf kommunaler Ebene (erstellt nach Einstellung der Zeitung 1992).



Kontakt

Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.
Archiv der DDR-Opposition
Ruschestraße 103,
10365 Berlin

Tina Krone
tina.krone(at)havemann-gesellschaft.de

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