Opposition und Widerstand gegen die kommunistischen Diktatur – Engagement für Freiheit und Demokratie

Opposition und Widerstand gegen die SED-Diktatur hat es in allen Phasen ihrer Existenz gegeben. Im Herbst 1990 gründete sich aus der oppositionellen Szene heraus die Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. (RHG). Sie hat sich mit ihrem Archiv der DDR-Opposition zu einem zentralen Anlaufpunkt in der Aufarbeitungs- und Forschungslandschaft zur Geschichte des Aufbegehrens gegen die kommunistische Diktatur entwickelt. Während vielerorts Einrichtungen entstanden sind, die über die politische Verfolgung und Repression in der SBZ/DDR informieren, steht hier die Perspektive jener mutigen Akteur:innen im Vordergrund, die sich für eine freiheitliche Gesellschaft engagierten. Die hier aufbewahrten historischen Quellen sind deshalb eine wichtige Gegenüberlieferung zu den Akten des Regimes und seiner Geheimpolizei, dokumentieren sie doch, wie Menschen aktiv für Veränderungen eintraten. Sie wollten sich nicht fügen und nicht anpassen, sondern ein selbstbestimmtes Leben führen, setzten sich für ihre Freiheiten ein, sprachen sich für demokratische Werte aus, gingen mitunter große Risiken ein. Einige bezahlten dafür sogar mit ihrem Leben. Dennoch spielt ihr Engagement in der heutigen Erinnerungskultur nur eine untergeordnete Rolle. Dabei können uns ihre Ziele und Ideen, ihre Entschlossenheit und ihr Mut inspirieren. Aber auch ihre Sorgen, Unsicherheiten und manchmal Irrwege bieten viele Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit der deutschen und europäischen Demokratiegeschichte. Dies fördert die RHG mit ihren Publikationen und umfangreichen Angeboten zur historisch-politischen Bildung seit über 30 Jahren.

Mit einem Forum, wie wir als RHG es mit der Machbarkeitsstudie Forum Opposition und Widerstand (1945 – 1990) vorschlagen, würde ein zentraler Ort geschaffen, an dem das Aufbegehren gegen die kommunistische Diktatur als ein bedeutsames Kapitel der deutschen Freiheits- und Demokratiegeschichte vermittelt wird und so Eingang in unsere Erinnerungskultur findet. Um die bisherige Leerstelle zu füllen, eignet sich die Stadt Berlin ganz besonders. Wie in einem Brennglas bündelt sich hier die Geschichte der deutschen und europäischen Teilung und deren Überwindung. Die Stadt gilt weltweit als ein Symbol für die mutig selbsterkämpfte Freiheit. In zentraler Lage und am historischen Ort soll das Forum Opposition und Widerstand den Einsatz für Demokratie und Menschenrechte anschaulich machen: Ein solcher Standort befindet sich an der U-Bahn-Linie 5 mit direkter Anbindung an den Berliner Hauptbahnhof. Auf dem ehemaligen Gelände der Stasi-Zentrale steht der „Campus für Demokratie“ auch symbolisch für die Überwindung eines repressiven Regimes. Hier kann durch das Forum nicht nur eine Brücke von der Geschichte zur Gegenwart, sondern auch zu historischen wie aktuellen Ereignissen in verschiedenen Regionen der Welt entstehen.

Das bauliche und gestalterische Konzept entwickelte das Büro "von Grote GmbH Ausstellungen – Museen – Innenräume" in Zusammenarbeit mit dem Architekten Sebastian Felix Ernst von "Ernst – office for architecture". Das inhaltliche Konzept sowie die Ideen für Kommunikation und Wissenstransfer erarbeitete "Facts & Files – Historisches Forschungsinstitut Berlin" in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen des "Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam". Das Betriebskonzept erstellte Jasper Bieger, Management- und Organisationsberatung.

Das Forum Opposition und Widerstand will informieren und aufklären, zivilgesellschaftliches Engagement für Freiheitsrechte und Demokratie würdigen und für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen sensibilisieren. Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden dabei die facettenreiche Geschichte von Regimegegnerschaft in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Die vier Säulen des Forums

Vier Säulen bilden zusammen das Forum: ein Ausstellungsbereich, ein Wissensspeicher, eine Dialogwerkstatt und eine Forschungskolleg. So entsteht ein Ort der Information, der Würdigung und der Begegnung.

Das Forum bietet seinen Gästen eine Dauerausstellung sowie regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen. Zugleich stehen im gesamten Forum partizipative Elemente bereit, die zur diskursiven und kreativen Auseinandersetzung mit den Themen des Forums einladen.

Die Angebote der Dialogwerkstatt unterstreichen den partizipativen Charakter des Forums. Sie werden auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen abgestimmt – von Familien aus der örtlichen Nachbarschaft über Einzelbesucher:innen, Schulklassen und Besucher:innengruppen aus Berlin sowie dem In- und Ausland bis hin zur internationalen wissenschaftlichen oder künstlerischen Community.

Im Wissensspeicher werden Quellen zu Widerstand und Opposition gesammelt. Auch sind hier themenspezifische Literatur und Medien zugänglich. Damit bilden die Angebote den Grundstein für Recherchen, Forschungen oder Ausstellungen. Den Kern bildet das in die Liste des national wertvollen Kulturguts aufgenommene Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.

Das Forschungskolleg bildet das wissenschaftliche Rückgrat des Forums. Hier wird zur Oppositions- und Widerstandsgeschichte in kommunistischen Diktaturen geforscht. Der Fokus liegt auf der SED-Diktatur in ihren verschiedenen Bezügen. Dazu gehören einerseits der vergleichende Blick auf die Zeit vor 1945 und den Widerstand gegen das NS-Regime sowie auf das Erbe von Opposition und Widerstand nach 1989/90. Andererseits werden auch Entwicklungen im kommunistischen Ost- und Mitteleuropa, Verflechtungen mit dem Westen sowie transkontinentale Ereignisse einbezogen. Zudem gilt es, allgemeine Probleme einer Geschichte von Opposition und Widerstand in und gegen Diktaturen in den Blick zu nehmen.

Das Gebäude

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurde zunächst ein Raumkonzept entwickelt und durch ein Funktionsdiagramm ergänzt. Auf dieser Grundlage wurden zwei Gebäudevarianten entwickelt. Das Forum soll idealerweise an einem Ort mit historischem Bezug angesiedelt sein. Es sollte als Neubau mit großer Strahlkraft umgesetzt werden. Alternativ bietet sich die Umnutzung eines Bestandsbaus an.

Das Forum Opposition und Widerstand soll nicht nur ein Ort für kulturelle und historisch-politische Bildung sein, sondern vielmehr eine Plattform für gesellschaftliche Beteiligung. Es lädt zum Diskutieren und zum lebendigen Austausch ein. Denn auch heute ist es wichtig, sich einzumischen und für demokratische Werte einzustehen. So wird das Forum auch ein Ort des Engagements und des Dialogs sein. Diesen Leitgedanken in eine Gebäudearchitektur zu übersetzen wird die Herausforderung für einen künftigen Architektenwettbewerb sein. Zudem soll das Forum nicht nur ein lokaler Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität werden, sondern auch internationale Strahlkraft besitzen. Die einzelnen Räume sollen persönliche Begegnungen und Dialog ermöglichen und einen transparenten und einladenden Charakter aufweisen. Die vier Säulen des Forums spiegeln sich in den sehr unterschiedlichen Raumtypologien wider, die hier in einem Gebäude miteinander vereint werden. Neben den Büroarbeitsplätzen sollen flexible, große Flächen für Ausstellungen und Veranstaltungen entstehen, für einen zentralen Studiensaal sowie für das Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft. Anstelle der üblichen Trennung von öffentlichem und institutionellem Raum ist ein Gebäude mit fließenden Übergängen geplant.

Der ortsunabhängige Neubau-Entwurf für das Forum übersetzt den inhaltlichen Schwerpunkt räumlich mit Transparenz und Offenheit nach innen und nach außen.

In der zweiten Variante wurde die Umsetzung des Forums Opposition und Widerstand in einem der denkmalgeschützten Gebäude auf dem "Campus für Demokratie" in Berlin geprüft.

Die vollständige Machbarkeitsstudie zum Blättern