© Robert-Havemann-Gesellschaft / Chiara Schimpe
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Erinnern, Forschen, Dokumentieren: Projekte zur DDR-Geschichte

Kooperationsseminar der Fachhochschule Potsdam und dem Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft

Die beste Möglichkeit, Erfahrungen und Kompetenzen zu sammeln, ist eine ausgewogene Kombination aus Praxis und Theorie. Nachdem bereits 2024 erstmals ein erfolgreiches Kooperationsprojekt zwischen dem Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft und dem Studiengang „Archivwissenschaft“ der Fachhochschule Potsdam durchgeführt wurde, knüpften beide Seiten in diesem Jahr mit einem erneuten Archivseminar unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Freund an die positiven Erfahrungen an. Während die Zusammenarbeit sich im Vorjahr als kompakte, intensive Projektwoche direkt im Archiv der DDR-Opposition gestaltete, hatten die angehenden Archivarinnen und Archivare nun ein ganzes Semester lang Gelegenheit, sowohl im Hochschulkontext als auch vor Ort im Archiv neue neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Studierenden konnten sich neben der inhaltlichen Bearbeitung ihres jeweiligen Themas auch mit konkreten Recherchen im Archiv auseinandersetzen und bekamen Einblicke in Arbeitsweisen des Archivalltags. Dadurch bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars die Möglichkeit, sich nicht nur vertieft mit den historischen Materialien auseinanderzusetzen, sondern auch ein Gefühl zu erhalten für die realen Abläufe, Herausforderungen und Arbeitsweisen im Archivalltag.

Ablauf des Seminars

Inhaltlich bot das Seminar einen breit gefächerten Zugang zur Geschichte der DDR-Opposition. Zu Beginn stand die intensive Beschäftigung mit den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen der DDR an, um die verschiedenen Formen von Widerstand und Opposition einordnen zu können. Die Studierenden arbeiteten mit umfangreichen biographischen Materialien und setzten sich mit zentralen Persönlichkeiten wie Bärbel Bohley oder Matthias Domaschk auseinander.

Ergänzend dazu erhielten die Studierenden eine Einführung in die Arbeitsweisen und Methoden der Oral History, in das Führen von Zeitzeugeninterviews und die wissenschaftliche Auswertung persönlicher Erinnerungen. Untergrundpublikationen, die in oppositionellen Gruppen unter Inkaufnahme eines hohen persönlichen Risikos hergestellt und verbreitet wurden.

Ein besonderer Fokus lag auf dem Archivbestand GrauZone, der umfangreichsten Überlieferung zur autonomen Frauenbewegung in der DDR. Die Studierenden erhielten hier Einblicke in die politische und soziale Verortung von Frauengruppen, deren Engagement sich zwischen patriarchatskritischen Anliegen und systemoppositionellen Fragen bewegte.

Auch Umweltprobleme in der DDR, die ab den 1980er Jahren zunehmend zum Ausgangspunkt oppositioneller Mobilisierung wurden, flossen in die Untersuchungen ein.Die Beschäftigung mit Samisdat-Literatur erlaubte ihnen zudem, die inoffizielle Schriftkultur der DDR kennenzulernen.

Im Archiv der DDR-Opposition konnten die Studierenden eigenständig und mit Unterstützung der Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeiter thematische Schwerpunkte festlegen und entsprechende Originalquellen sichten und mit diesen arbeiten. 

Im Verlauf des Semesters entwickelten die Studierenden so ihre eigenen Projektideen, suchten Materialien zusammen, führten Interviews, sichteten Foto- und Filmbestände und nutzten digitale wie analoge Archivalien.

Gegen Ende des Semesters lag der Fokus auf der Ausarbeitung, Gestaltung und Reflexion der Projekte. Die Ergebnisse zeigen, wie vielfältig die Zugänge zur DDR-Opposition sein können: Die Bandbreite reicht von filmischen Essays über Oral-History-Interviews und fotografischen Neuinterpretationen bis hin zu Webprojekten und thematischen Recherchen zu Frauengruppen oder Umweltbewegungen.

Das Seminar verdeutlicht, wie produktiv die Verbindung zwischen universitärer Lehre und archivischer Praxis sein kann, und wie wertvoll es ist, wenn Studierende die Möglichkeit erhalten, historische Quellen nicht nur zu analysieren, sondern aktiv neu zu erschließen.

Ziel und Fokus des Seminars

Wie auch im Vorjahr war es Ziel des Seminars, den Studierenden einen umfassenden Einblick in die praktische und methodische Arbeit in Archiven zu geben und ihnen die Vielfalt archivischer Tätigkeiten näherzubringen. Gleichzeitig sollten sie lernen, historische Materialien selbstständig zu analysieren, kritisch zu reflektieren und daraus forschungsbasierte, kreative Projekte zu entwickeln.

Die Teilnehmenden wurden ermutigt, verschiedene methodische Ansätze zu kombinieren, sei es durch filmische Ausarbeitungen, fotografische Vergleiche, Webseitenprojekte, Zeitzeugeninterviews oder textbasierte Analysen. Angestrebt war dabei, das Material nicht nur zu bewahren und zu interpretieren, sondern es in zeitgemäße Formate zu überführen, die historische Inhalte zugänglich, lebendig und vielschichtig darzustellen

„Es war nicht mehr mein Land“ – ein Zeitzeuginneninterview zwischen persönlicher Erinnerung und politischer Geschichte

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In ihrem Projekt "Mary und die DDR" widmet sich Sarah Immisch, Teilnehmende des Seminars der Fachhochschule Potsdam, einer ganz besonderen Form historischer Forschung: dem Generationengespräch. Im Zentrum steht ein ausführliches Interview mit ihrer Mutter, einer Frau, die in den 1980er Jahren in Halle aktiv in der oppositionellen Bewegung der DDR war und deren persönliche Geschichte eine eindrückliche Verbindung zwischen familiärer Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel herstellt.

Über zweieinhalb Stunden Rohmaterial entstanden im Gespräch zwischen Mutter und Tochter. Das Ergebnis ist ein dichtes Zeitdokument, das nicht nur politische Strukturen und Widerstandsstrategien beleuchtet, sondern auch intime Einblicke in die Gefühlswelt einer jungen Frau gibt, die in einem Staat aufwuchs, den sie immer weniger als den ihren empfand.

Die Interviewte schildert, wie sich kleine, mutig agierende Gruppen organisierten, häufig lose vernetzt, doch vereint durch ein gemeinsames Ziel: politische Öffnung, demokratische Teilhabe und ein Ende der staatlichen Repression.

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Besondere Aufmerksamkeit widmet Sarah Immisch in ihrem Projekt dem Neuen Forum, jener zentralen Bürgerbewegung, die im Herbst 1989 entscheidende Impulse für die friedliche Revolution gab. Die Zeitzeugin berichtet, wie die Gründungserklärung des Neuen Forums wie ein Funke durch die Oppositionsszene Halles ging und in vielen Initiativen einen Moment des Aufbruchs auslöste: das Gefühl, dass Veränderung plötzlich vorstellbar, sogar realisierbar wurde.

Doch das Interview beschränkt sich nicht auf die Zeit des Aufbruchs. Es fragt auch nach der Transformationszeit, einer Phase, die von Euphorie, Unsicherheit und Enttäuschung gleichermaßen geprägt war. "Es war nicht mehr mein Land", sagt die Zeitzeugin an einer Stelle, wenn sie über die Jahre nach dem Mauerfall spricht. Diese Aussage bildet einen emotionalen Kern des Projekts: Wie veränderte sich das Verständnis von Freiheit? Was bedeutete die plötzliche Erweiterung politischer, sozialer und wirtschaftlicher Möglichkeiten, und welche Erfahrungen von Verlust waren damit verbunden?

Sarah Immisch gelingt es, diese widersprüchlichen Gefühle sichtbar zu machen. Das Gespräch wird nicht nur zur historischen Quelle, sondern zu einer Reflexion über die tiefe Komplexität des Umbruchs, über Hoffnungen, die sich erfüllten, und solche, die zurückblieben.

Mit „Mary und die DDR“ entsteht so ein eindrucksvoller Beitrag dazu, wie Protest und Widerstand jenseits der bekannten Zentren stattfanden, und wie wichtig persönliche Perspektiven sind, um die Geschichte der DDR-Opposition lebendig und vielstimmig zu bewahren. Dieses Projekt zeigt, wie eng individuelle Erzählungen und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verwoben sind, sowie wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen historischer Forschung und privater Erinnerung sein kann.


„Niemandsland“ – ein Gespräch mit einem Fotografen und Zeitzeugen

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Das zweite Projekt, erstellt von Lucas Gebert unter dem Titel „Hinterlassenschaften der Sowjets nach 1990“, widmet sich einem weiteren Zeitzeugen: dem Fotografen Theo Heimann, dessen umfangreicher Bildbestand Teil des Archivs der Robert-Havemann-Gesellschaft ist. Lucas Gebert erhielt in diesem Rahmen bei seinen Besuchen im Archiv der DDR-Opposition Zugang zu seinem Werk, und somit vor allem zu Heimanns Erinnerungen, die er in einem ausführlichen Interview mit Lucas Gebert teilte. Entstanden ist ein Projekt, das historische Fotografie, ökologische Fragen und die Transformation ostdeutscher Landschaften eindrucksvoll miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt steht Heimanns fotografische Dokumentation der sowjetischen Militärpräsenz in der DDR und insbesondere der Abzugsphase der Truppenverbände aus der ehemaligen UdSSR.

Seine Aufnahmen zeigen zum Teil verborgene, vielen heute kaum bekannte Orteweite Kasernenareale, Flugplätze, Depots – Räume, die nach 1990 schlagartig ihre Funktion verloren und zu Niemandsländern wurden.

Heimanns Interview-Passagen lassen sichtbar werden, wie sich diese Orte veränderten, und wie wenig vorbereitet die Kommunen auf den abrupten Weggang der Sowjetarmee waren. Zurück blieb nicht nur architektonischer Zerfall, sondern auch toxisches Material, Altlasten, Schrott und verstreute Munitionsreste. Die Umweltverschmutzung sei gravierend gewesen, berichtet Heimann. Viele Flächen wurden weder geräumt noch saniert. „Man wusste gar nicht, wo man anfangen sollte“, erzählt er, „und oft wollte man es auch nicht wissen.“

Die im Verborgenen liegenden Munitionsreste sind auch heutzutage eine Gefahr für Erholungssuchende in brandenburgischen Wäldern und oftmals Ursache für jährlich auftretende Waldbrände in der Region.  

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Das Projekt beschäftigt sich nicht nur mit den Inhalten des Interviews, sondern auch mit der Ästhetik von Heimanns Fotografien. Die Bilder zeigen Ruinen, Beton, militärische Infrastruktur. Doch gerade in dieser Trostlosigkeit liegt eine eigentümliche Schönheit. Die fotografische Form verstärkt die politischen Aussagen: Das diffuse Licht über verlassenen Plätzen, die Weite kontaminierter Felder oder die Zerbrechlichkeit bröckelnder Kasernengebäude vermitteln nicht nur einen Zustand, sondern ein Gefühl des Übergangs, verlagert zwischen Stillstand und Veränderung.

Eine besondere Verbindung entsteht, als der Fotograf über die Orte spricht, die heute eine neue Bedeutung erhalten haben. Die Fachhochschule Potsdam, an welcher die Abschlusspräsentation des Seminars stattfindet, befindet sich teilweise auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne, die Heimann in den 1990er Jahren selbst dokumentiert hat. Damit werden seine Fotografien zu Zeugnissen eines Wandels, der Vergangenheit und Gegenwart direkt miteinander verknüpft.

Das Projekt macht sichtbar, wie eng ästhetische Dokumentation und politisch-ökologische Erinnerung zusammenhängen. Lucas Gebert zeigt so anhand von Heimanns Lebenswerk, was aus Orten wird, die lange im Schatten lagen, und welche Verantwortung es bedeutet, diese Hinterlassenschaften zu bewahren, zu verstehen und kritisch zu befragen.


„A room of one’s own “– Frauenbewegungen in der DDR

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Das dritte Projekt, eine Ausarbeitung von Sophie Plöger und Theo Runge, widmet sich einer Facette der DDR-Geschichte, die lange Zeit im Schatten anderer oppositioneller Bewegungen stand: der unabhängigen Frauenbewegung. Die Studierenden entwickelten eine eigene, sorgfältig recherchierte Webseite (frauenbewegungddr1.wordpress.com), auf der sie sechzehn verschiedene Frauengruppen aus der DDR in einer eigens angefertigten Karte vorstellen. Grundlage waren zahlreiche Besuche im Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft sowie ergänzende Archiv- und Literaturrecherchen. So entstand eine digitale Plattform, die historische Informationen, feministische Debatten und persönliche Erzählungen miteinander verbindet und einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung weiblicher Akteurinnen in der DDR leistet.

Viele der porträtierten Frauengruppen schufen sich eigene Räume, in denen sie ungestört diskutieren und Erfahrungen teilen konnten, Orte jenseits staatlicher Kontrolle, an denen gesellschaftliche Strukturen kritisch hinterfragt wurden. Sophie Plöger und Theo Runge zeigen eindrucksvoll, dass die offizielle Gleichstellungspolitik der DDR oft nur eine scheinbare war. Zwar waren Frauen in der Regel voll berufstätig, doch lastete weiterhin die Hauptverantwortung für Haushalt, Kindererziehung und familiäre Aufgaben auf ihnen. Diese doppelte Belastung prägte den Alltag vieler Frauen und wurde immer stärker zum Auslöser  feministischer Organisierung.  

So richteten sich die Gruppen nicht nur gegen patriarchale Muster im familiären Umfeld, sondern zunehmend auch gegen systemimmanente Missstände wie Überwachung, fehlende Meinungsfreiheit oder staatliche Eingriffe in die Körperpolitik. Besonders deutlich wird dies in der Auseinandersetzung mit dem Paragrafen 218. Obwohl die DDR eine vergleichsweise liberale Regelung zum Schwangerschaftsabbruch hatte, wurden einige dieser Regelungen nach dem Beitritt zur Bundesrepublik zurückgenommen – ein Schritt, der von vielen Frauen als Rückschritt empfunden wurde.  

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Mit dem Projekt entsteht eine digitale Sammlung, die die Vielfalt der autonomen Frauenbewegungen in der DDR sichtbar macht und diese in einen größeren historischen und gegenwärtigen Kontext einordnet. Indem die Studierenden historische Quellenarbeit, Recherche und digitale Präsentation miteinander verbinden, eröffnen sie einen differenzierten Blick auf ein Feld, das in der öffentlichen Wahrnehmung lange von westdeutschen Narrativen überlagert wurde. Ihr Ansatz, „Frauen in die Offensive“ zu bringen, spiegelt damit nicht nur die damaligen Forderungen wider, sondern auch das eigene Anliegen, die Stimmen und Geschichten dieser Frauen hörbar und zugänglich zu machen. Neben historischen Gruppen stellen die Studierenden auch Initiativen vor, die bis heute aktiv sind, wie die Lila Offensive, die weiterhin feministische Positionen vertritt und an die Tradition ostdeutscher Frauennetzwerke anknüpft.  


“Eine Reise in die Vergangenheit” – fotografischer Rückblick auf Ostdeutsche Kleinstädte

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Das vierte Projekt widmet sich einem fotografischen Rückblick auf ostdeutsche Kleinstädte und verbindet Bildrecherche, Dokumentarfilm und Zeitzeugengespräche zu einem multimedialen Gesamtwerk. Im Zentrum steht ein selbst produzierter Imagefilm der Studierenden Malina Kemp und Sharon Hundehege, der nicht nur die neu entstandenen Aufnahmen zeigt, sondern auch Hintergrundmaterial zum fotografischen Prozess einblendet – von der Reise zu den Originalschauplätzen bis hin zu Interviews mit Beteiligten. So entsteht ein lebendiger Einblick in die Arbeit der Studierenden und in die Geschichte der Orte selbst.

Ausgangspunkt des Projekts sind vom Archiv der DDR-Opposition gesicherte Fotografien von Leonore Lobeck, die für ein Ausstellungsprojekt zahlreiche DDR-Städte bereist hatte, um den Altstadtzerfall zu dokumentieren.  

Die beiden Studierenden machten es sich zur Aufgabe, die exakten Orte dieser Aufnahmen ausfindig zu machen und sie in ihrem heutigen Zustand festzuhalten. Auf einer Reise durch neun verschiedene Städte spürten sie Straßen, Plätze und Gebäude auf, die sich seit der Zeit der DDR teils drastisch verändert haben. Unterstützt von Zeitzeugenkommentaren und eigenen Eindrücken zeigen sie, wie sich Perspektiven und Lebenswelten im Laufe der letzten Jahrzehnte transformiert haben.

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Besonders sichtbar wird dies in den Spuren des urbanen Verfalls, die in vielen der historischen Aufnahmen zu erkennen sind. Gleichwohl dokumentiert das Projekt nicht nur Zerfall, sondern auch Neuerungen, Sanierungen und manchmal sogar das völlige Verschwinden bestimmter Orte. Die Gegenüberstellung von damals und heute macht deutlich, wie komplex und vielschichtig die Transformation ostdeutscher Kleinstädte verlaufen ist: ein Wechselspiel aus Abbruch, Bewahrung und Neugestaltung.

Malina Kemp und Sharon Hundehege lobten während des Prozesses vor allem die Zugänglichkeit zum Archivmaterial, das eine echte „hands on research“-Erfahrung ermöglichte. Der Umgang mit Originalfotografien, Dokumenten und Zeitzeugeninterviews eröffnete ihnen vielfältige thematische Zugänge. Die Arbeit an diesem Projekt zeichnete sich durch methodische Vielfalt aus – von visueller Recherche über ethnografische Beobachtungen bis hin zu filmischer Darstellung.

So entstand ein Projekt, das nicht nur die Vergangenheit sichtbar macht, sondern auch die Frage stellt, wie sich Orte und Erinnerungen verändern – und wie Geschichte in den Landschaften ostdeutscher Kleinstädte bis heute fortwirkt.  


Abschließend zeigt das Kooperationsseminar mit der FH Potsdam erneut auf eindrucksvolle Weise, wie lebendig, vielschichtig und gegenwartsrelevant die Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR-Opposition sein kann, wenn Forschung, Archivpraxis und kreative Zugänge ineinandergreifen.

Die vorgestellten Projekte machen deutlich, dass Erinnerung nicht statisch ist, sondern sich aus persönlichen Erzählungen, materiellen Hinterlassenschaften und neuen Perspektiven immer wieder neu zusammensetzt.

Zugleich verweist das Erarbeitete aus dem Seminar auf die Verantwortung, diese Geschichten weiterzugeben, kritisch zu befragen und für kommende Generationen zugänglich zu machen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Fachhochschule Potsdam und dem Archiv der DDR-Opposition eröffnet damit nicht nur wertvolle Lernräume für Studierende, sondern setzt auch Impulse für zukünftige Projekte, in denen historische Forschung, gesellschaftliche Reflexion und innovative Vermittlungsformen weiterhin produktiv miteinander verbunden werden können.


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