07.02.2018

Tödliche Offenheit - Erinnerung an Arno Esch

Porträtfoto von Arno Esch. Quelle: Verband Ehemaliger Rostocker Studenten, VERS

Arno Esch wird am 6. Februar 1928 in Memel, dem heutigen Klaipeėda (Litauen), geboren. Am 24. Juni 1951 wird er in Moskau hingerichtet.

Dazwischen liegt ein, für seine Generation typisches, bewegtes Leben. Mit knapp 16 Jahren wird Arno Esch zum Kriegsdienst als Marineflakhelfer eingezogen.

Seine Familien flieht vor der herannahenden Front ins mecklenburgische Schönberg und lässt sich dort nach Kriegsende nieder. Die durch den Kriegsdienst unterbrochene Schule setzt er im nahegelegenen Grevesmühlen fort, wo er im Frühjahr 1946 das Abitur ablegt. Zum Sommersemester 1946 beginnt er an der Universität Rostock ein Studium der Rechtswissenschaften. Er strebt eine wissenschaftliche Laufbahn an, gilt als ungewöhnlich begabt und sehr fleißig.

Arno Esch ist, geprägt durch seine Erlebnisse während des Krieges, ein überzeugter Pazifist und Verfechter liberaler Ideen. Im Juni 1946 tritt er in die Liberal-Demokratische Partei (LDP) ein und hilft beim Aufbau der Partei in Mecklenburg. An der Universität Rostock gründet er die Hochschulgruppe der LDP und gewinnt rasch das Vertrauen seiner Kommilitonen. Im Herbst 1947 wird er zum Landesjugendreferenten der LDP und 1948 in den Zentralvorstand der LDP gewählt.

Nach seiner liberalen Überzeugung ist die individuelle Freiheit, für ihn die Basis einer menschlichen Gesellschaft. Esch tritt für einen demokratischen Rechtsstaat sowie für eine legale Kriegsdienstverweigerung ein. Der klare Denker und scharfzüngige Diskutant veröffentlicht zahlreiche politische Artikel in der Norddeutschen Zeitung. Darin setzt er sich vehement für Bürgerrechte, für die Gewaltenteilung und für die Abschaffung der Todesstrafe ein. In einem Artikel vom 5. Mai 1949 gibt er seiner Überzeugung Ausdruck, dass: „ ... die neue demokratische Gemeinschaft der Völker [...] die Todesstrafe als Barbarei verwerfen“ wird.

Als Mitglied der ersten Stunde bringt er seine liberalen Grundsätze im zunächst überparteilichen und überkonfessionell scheinenden Jugendverband Freie Deutsche Jugend (FDJ) ein. Darüber hinaus engagiert sich Arno Esch für die Bildung freier Jugendorganisationen neben der FDJ.

In vielen öffentlichen Auftritten wendet er sich gegen die Vormachtstellung der SED und lehnt eine Rolle der LDP als gleichgeschaltete Blockpartei der SED ab. Mit diesen Ideen und Vorstellungen steht Arno Esch im Gegensatz zur Politik der SED und der Besatzungsmacht.

In der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1949 wird Arno Esch zusammen mit zwölf weiteren jungen LDP-Mitgliedern aus Mecklenburg von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Das sowjetische Militärtribunal in Schwerin klagt ihn und weitere junge Mitglieder der LDP wegen „konterrevolutionärer Aktivitäten“, „Spionage“, „antisowjetischer Propaganda“ und „illegaler Gruppenbildung“ an.

Am 20. Juli 1950 wird Arno Esch zum Tode verurteilt. Nachdem das Urteil am 26. Mai 1951 vom Militärtribunal des Wehrkreises Moskau bestätigt wurde, wird Arno Esch am 24. Juni 1951 in Moskau hingerichtet. Er ist 23 Jahre alt.

Das Schicksal Arno Eschs und seiner liberalen Mitstreiter wird in der DDR todgeschwiegen. Nicht einmal seine Mutter erfährt etwas über den Verbleib ihres Sohnes. 1961 teilt das sowjetische Rote Kreuz dem Suchdienst des deutschen Roten Kreuzes lediglich mit, das Arno Esch am 27. Juli 1951 in der Sowjetunion „verstorben“ sei.

Am 30. Mai 1991 wird Arno Esch durch den Obersten Gerichtshof der Sowjetunion vollständig rehabilitiert. In der Eingangshalle der Universität Rostock erinnert seitdem eine Gedenktafel an Arno Esch und in Schönberg trägt eine Straße seinen Namen.

Studentenausweis der Universität Rostock von Arno Esch. Quelle: Universitätsarchiv Rostock
Fast 40 Jahre zu spät: Rehabilitierung Esch's vom 19. Juli 1990. Quelle: Verband Ehemaliger Rostocker Studenten, VERS