Ich schweige nicht - Jürgen-Fuchs-Projekt, 2014-17

Das Jürgen-Fuchs-Projekt. Oder welche Bedeutung die Reflexion der Vergangenheit für die Gestaltung der Zukunft hat. Sechs Konzerte und Symposien

Der Schriftsteller und Psychologe Jürgen Fuchs war einer der prominentesten DDR-Bürgerrechtler. 1976 wurde er wegen „staatsfeindlicher Gruppenbildung“ verhaftet und 1977 nach Westdeutschland abgeschoben. Auf seinem Grabstein steht die Inschrift: "Ich schweige nicht". Zum 25. Jahrestag von friedlicher Revolution, Mauerfall und Deutscher Einheit plant die Robert-Havemann-Gesellschaft 2014/2015 das Jürgen-Fuchs-Projekt mit dem Jürgen-Fuchs-Zyklus "Ich schweige nicht" des Komponisten H. Johannes Wallmann, der ebenfalls in Opposition zur SED-Diktatur stand. Wallmann verließ die DDR 1986 nach einem kulturpolitisch begründeten DDR-Ausreiseantrag und machte sich danach durch große Klangprojekte einen Namen.


Auch gegenwärtig ist es vielen jungen Menschen wichtig, angesichts gesellschaftlicher Verhältnisse nicht zu schweigen. Immer mehr haben den Mut, ihre Karrieren zu riskieren oder sich in Gefahr zu bringen, weil sie ungerechte Zustände nicht länger hinnehmen wollen. Aktuelle Beispiele reichen von Ai Wei Wei über Pussy Riot bis hin zu Edward Snowden. Indem H. Johannes Wallmann - neben der Vertonung der Texte von Jürgen Fuchs - auch Text-Zitate anderer Oppositioneller aus aller Welt einbezieht, stellt er mit seinem Werk (Musik im Raum für Sopran, Bariton, Saxophonquartett und Percussion) einen kultur- und politikgeschichtlichen Zusammenhang her, der das weltweite Ringen um Freiheit und Gerechtigkeit reflektiert.


Die Konzerte wurden in mehreren Städten Deutschlands und der Schweiz aufgeführt und fanden zum Teil an wichtigen Orten der DDR-Bürgerrechtsbewegung wie der Berliner Gethsemanekirche statt. Fotoprojektionen von Harald Hauswald, einem der Gründer der renommierten Fotoagentur Ostkreuz, sowie eine Reihe von Rahmenveranstaltungen rundeten das Programm ab.

 

Künstlerische Leitung, Komposition Jürgen-Fuchs-Zyklus: H. Johannes Wallmann
Musikalische Leitung: Lennart Dohms (CH)
Kurator/innen: Lennart Dohms (CH), Lothar Eckhardt, Martin Hermann, Walter Schmitz
Sänger/innen, Musiker/innen: Katharina Hohlfeld, Matthias Vieweg, project-saxophonquartett
Referent/innen: Ulrike Bestgen, Lilo Fuchs, Ilko Kowalczuk, Ernest Kuczynski, Doris Liebermann, Utz Rachowski, Lutz Rathenow, Udo Scheer, Stefan Wolle u.a.
Fotoprojektionen: Harald Hauswald

 

Das Projekt wurde gefördert durch die KULTURSTIFTUNG DES BUNDES sowie durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Konzerte / Veranstaltungen im Rahmen des Jürgen-Fuchs-Zyklus

  • 16. August -15. Oktober 2016 | Klangaustellung zum Jürgen-Fuchs-Zyklus / Kapelle der Versöhnung, Berliner Mauergedenkstätte Bernauer Straße

  • 20.-22. November 2015 | Jürgen-Fuchs-Symposium "Kunst - eine Tochter der Freiheit?" in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin

  • 7. September 2015 | Aufführung des Jürgen-Fuchs-Zyklus beim MUISKFESTIVAL BERN, Berner Konzertkirche Bern 2015: Hochschule der Künste Bern - Semester-Workshops mit H. Johannes Wallmann zum Jürgen-Fuchs-Zyklus

  • 5. Dezember 2014 | Ursendung des Jürgen-Fuchs-Zyklus (MDR Figaro) // Mitschnitt vom 15.10. 2014 aus der Aula der Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • 9. November 2014 | Dreikönigskirche Dresden: Konzert mit dem Jürgen-Fuchs-Zyklus von H. Johannes Wallmann 

  • 10. November 2014 | Jürgen-Fuchs-Kolloquium in der Villa Augustin - Literaturhaus Dresden.

  • 5. November 2014 |  Konzert mit dem Jürgen-Fuchs-Zyklus von H. Johannes Wallmann anschließend ICH SCHWEIGE NICHT-Roundtable (HafenCity Universität Hamburg)

  • 15. Oktober 2014 | Aula der Universität Jena, Konzert und MDR-Rundfunkmitschnitt (Tonmeister Martin Hertel) des Jürgen-Fuchs-Zyklus von H. Johannes Wallmann

  • 9. Oktober 2014 |  Alte Börse Leipzig, Konzert mit dem Jürgen-Fuchs-Zyklus von H. Johannes Wallmann

  • 3. Oktober 2014 | Gethsemane-Kirche Berlin, Uraufführung des Jürgen-Fuchs-Zyklus von H. Johannes Wallmann

  • "Studenten aller Länder interessiert euch für dieses seltsamen Materialien." Diese ironisch-ernste Aufforderung Jürgen Fuchs' bezog der Komponist mehrfach in das ca. 2-stündige Werk ein. Entsprechend waren Professoren und Studenten der beteiligten Universitäten eingeladen, sich in projektbezogenen Veranstaltungen mit den Fuchs-Texten, den damit verbundenen Hintergründen sowie den in dem Zyklus mitgedachten Alternativen auseinanderzusetzen.