Die Entlassung Robert Havemann und die Akademie der Wissenschaften 1965/66

Silvia Müller/Bernd Florath (Hg.)

Eine Dokumentation,

erschienen 1996, als zweiter Titel,

455 Seiten, Broschur,

Preis: 10,00 Euro

 

Schriftenreihe der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.

Band 1

ISBN 978-3-9804920-1-0

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1965 war er noch Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Leiter der Arbeitsstelle für Photochemie. Über 150 bisher unveröffentlichte Dokumente der Akademie und der SED belegen detailliert, wie ihm der Arbeitsplatz genommen wurde, um ihn endgültig aus der Öffentlichkeit der DDR zu verbannen.
Vertrauliche Sitzungsprotokolle aus den Leitungsgremien der Akademie zeigen, wie sich hochdotierte Wissenschaftler am drehbuchartigen Vorgehen des ZK der SED beteiligten. Sie gingen in ihren Überlegungen so weit, Havemann zum "psychiatrischen Fall" zu erklären oder in den Westen zu drängen.
Um wenigstens den Schein von Demokratie zu wahren, mußte ein Ausschlußverfahren inszeniert werden. Trotz Druck auf einzelne Mitglieder und der Versuche, die Wahlordnung zu ändern, kam aber die erforderliche Mehrheit für eine Abwahl nicht zustande. Statutenwidrig wurde Havemann am Ende aus den Mitgliederlisten gestrichen.
Erstmalig werden Briefe Havemanns veröffentlicht, mit denen er versuchte, das drohende Berufsverbot abzuwenden. Auch Protestschreiben, die in der DDR nicht bekannt werden durften, dokumentiert der Band.
Umfassende editorische Anmerkungen und Kommentare erleichtern den Zugang zu den Dokumenten. In den einleitenden Texten von Bernd Florath und Silvia Müller werden die Vorgänge zum Akademie-Ausschluß einschließlich ihrer Vorgeschichte geschildert.
Die Dokumente werden mit Erläuterungen der zeitgeschichtlichen und politischen Zusammenhänge der damaligen DDR kommentiert.
Der "Kleine Behördenführer" informiert über die Struktur der Akademie der Wissenschaften der DDR und ihre Institutionen sowie über die Instanzen des SED-Apparates.
Alle in der Dokumentation vorkommenden Personen werden mit Kurzbiographien in einem Personenregister vorgestellt.
Eine tabellarische Übersicht nennt wichtige Lebensdaten Robert Havemanns.

 

 

Robert Havemann, Verfechter einer sozialistischen DDR, hatte sich seit 1956 vom linientreuen SED-Funktionär zu einem ihrer schärfsten Kritiker entwickelt. Als er 1963 in einer Vorlesungsreihe mit seinen Auffassungen an die Öffentlichkeit getreten war, hatte ihn das Politbüro der SED zum Staatsfeind erklärt.