Matthias Domaschk

Informationen zu Matthias Domaschk und zu Reaktionen auf seinen Tod finden Sie in den folgenden Dossiers. Zahlreiche Dokumente, Fotos und Filme zu seiner Person können im Archiv der DDR-Opposition eingesehen werden.


Roland Jahn und Petra Falkenberg kaufen so viele Zeitungen wie möglich, schneiden die Anzeigen aus und kleben sie in der Nacht im Stadtgebiet von Jena als Flugblatt. Foto: Manfred Hildebrand.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Am Vormittag des folgenden Tages versucht die Staatssicherheit die im Stadtgebiet geklebten Anzeigen zu entfernen. Da die Anzeigen aber mit Chemosol überstrichen sind, lassen sie sich schlecht abkratzen.
Foto: Roland Jahn, Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nach der Erstürmung der Stasizentrale in der Berliner Normannstraße am 15. Januar 1990 erinnert ein Graffiti an den gewaltsamen Tod von Matthias Domaschk.
Foto: Siegbert Schefke, Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Nach den Protesten gegen die Biermann-Ausbürgerung im November sitzen viele Freunde von Matthias Domaschk im Gefängnis. Auch Matthias und seine hochschwangere Freundin Renate Groß werden verhaftet und stundenlang verhört. In dieser schwierigen Zeit wird am 6. Dezember 1976 seine Tochter Julia geboren.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Am 12. April 1996 wird eine Straße in Jena Neulobeda nach Matthias Domaschk benannt.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Der ungeklärte Tod von Matthias Domaschk am 12. April 1981 in der Stasihaftanstalt Gera ist nicht in Vergessenheit geraten. Nach der Erstürmung der Stasizentrale in der Berliner Normannstraße am 15. Januar 1990 erinnert ein Graffiti an den gewaltsamen Tod von Matthias Domaschk.
Foto: Siegbert Schefke, Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Peter Rösch und Julia Elmenreich am Grab von Matthias Domaschk
Foto: Frank Ebert Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
30. April 1983, Postkarte, abgeschickt in Ost-Berlin, an den nach West-Berlin ausgebürgerten Ex-Jenenser Peter Rösch. Der kurze Text in der Handschrift von Roland Jahn, der wenig später, im Juni 1983, gewaltsam in den Westen abgeschoben wurde, besteht nur aus zwei Zeilen: "... und im Mai da blüht der Flieder" - Matthias Domaschk liebte weißen Flieder. Es grenzt schon fast an Wunder, daß diese Karte überhaupt die Zensur passierte und von der DDR-Post befördert wurde. Sie war ein Protest gegen das staatliche Verschweigen der Vorgänge in der Geraer Untersuchungshaftanstalt, die Matthias Domaschk ums Leben brachten. Die Textzeilen auf der Karte stammen aus dem Refrain des Liedes "Matz" von Peter Kähler.
Postkarte: Roland Jahn, Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Zum ersten Todestag von Matthias Domaschk im April 1982 gelingt es seinen Freunden Petra Falkenberg, Manfred Hildebrand und Roland Jahn eine Anzeige in der Thüringischen Landeszeitung und im regionalen SED-Blatt "Volkswacht" zu platzieren, um an seinen Tod zu erinnern.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
 

Matthias Domaschk, 1957 geboren, zieht 1970 mit seinen Eltern nach Jena. Lange Haare oder ein Jimi-Hendrix-T-Shirt sind für den Staat deutliche Zeichen für einen fehlenden "sozialistischen Klassenstandpunkt". Kurz vor den mündlichen Abiturprüfungen wird Matz aus der Schule geworfen.

Jetzt wird der Ton scharf. Knebelketten werden angelegt, im Bus die Hände unter die Oberschenkel. Redeverbot. Ankunft in der U-Haft Gera gegen 22 Uhr

Matthias Domaschks Tod ist ein Fanal. Er radikalisiert junge Oppositionelle. Sie wissen, dass es jeden von ihnen hätte treffen können. Nach der ersten Lähmung beschließen sie, nicht untätig zu bleiben.

Am 27. September 2000, fast 20 Jahre nach dem Tod von Matthias Domaschk, werden die Verantwortlichen MfS-Mitarbeiter zu niedrigen Geldstrafen verurteilt.



Nachtrag: "Sein letzter Vernehmer"

55 Stunden Schlafentzug, endlose Befragungen. Matthias Domaschk hat die Stasi-Haft nicht überlebt. Sein Tod ist 1981 eine Zäsur für die DDR-Opposition. Und seine Peiniger? Werden nie verurteilt. Einer steigt zum Chef einer Kreuzberger Markthalle auf - bis ihn doch die Vergangenheit einholt. Ein Artikel von Max-Thomas Mehr im Tagesspiegel vom 14.08.2013


Die ARD sendete in der Sendung FAKT am 13.08.2013 zur gleichen Problematik den Beitrag Initiates file download"Der ungeklärte Fall Matthias Domaschk" (Manuskript)

Haben Stasi-Leute eine zweite Chance verdient? Eine Reaktion in der "Welt" vom 16.08.2013

Initiates file downloadThüringen will ungeklärte Todesfälle überprüfen, OTZ, 06.02.2015

Links

Video: "Was haben sie mit ihm gemacht? - Tod in Stasi-Haft"; Sendung Kontraste vom 17. Mai 1993

Sonderheft des Bürgerkomitee "15. Januar" e.V. zum Fall Domaschk