01.01.2026

LEITBILD DER ROBERT-HAVEMANN-GESELLSCHAFT

Unsere Mission

Die Robert Havemann Gesellschaft sammelt, erschließt und bewahrt die Zeugnisse der Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur 1945 bis 1990 sowie deren Aufarbeitung in der Umbruchszeit nach 1990. Sie macht diese Quellen für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit nutzbar.

Wir aktivieren die Inhalte dieser Quellen, die die aktive, zivilgesellschaftliche Opposition gegen staatliche autoritäre Strukturen bezeugen, indem wir sie für die Förderung der politischen Bildung sowie der Erinnerungskultur als auch für eigenes gesellschaftliches Engagement auf der Werte-Grundlage des Archivs zur Unterstützung und zum Schutz der heutigen Demokratie verwenden.

… und wie wir sie erreichen:

ARCHIV

  • Wir archivieren: Wir bewahren unsere vorhandenen Quellen, sammeln die derzeit nochin privater Hand liegenden und organisieren ihre langfristige Sicherung, Erschließung und Digitalisierung nach neuesten professionellen Standards.

  • Wir sind ein offenes Archiv: Wir sind einem besonders niedrigschwelligen Zugangverpflichtet und wollen unsere Sammlungen möglichst schnell und unkompliziert den Nutzenden zugänglich machen.

  • Wir bewerben das Archiv: Wir sind Teil des Registers von national wertvollem Kulturgut in Berlin und sehen das als besondere Verpflichtung gegenüber dem Archiv. Wir kommunizieren daher unsere Bestände transparent sowie mit einem Fokus aufarchivpädagogische Arbeit.

KOOPERATION

  • Wir kooperieren: Wir erweitern stetig unser Netzwerk in der Wissenschaft, mit anderen Archiven sowie zivilgesellschaftlichen und staatlichen Partnern im In- und Ausland, um die Bedeutung des Archivs zu stärken und das gesellschaftliche Engagement gegen autoritäres Handeln und für Demokratie und Menschenrechte zu befördern.
  • Wir vernetzen Geschichte: Insbesondere suchen wir den Austausch und die Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Archiven zur DDR und in Ost-Europa, die mit ihren Sammlungen der gleichen Tradition von Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur entstammen.

VERMITTLUNG

  • Wir vermitteln: Wir erzählen die im Archiv bewahrten, oft positiven und inspirierenden Geschichten von Opposition und Widerstand gegen Unterdrückung in Ausstellungen, Bildungsprojekten, Events und durch Publikationen. Wir betreiben eigene Forschung zum Archiv mit Blick auf die Mission.
  • Wir steigern Wahrnehmung: Wir sind der Motor für ein „Forum für Opposition und Widerstand“ (FOW) als zentralem Ort für Erinnerung und gesellschaftlichen Dialog über Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur. In Zusammenarbeit mit den anderen Archiven der zivilgesellschaftlichen Opposition gegen die kommunistische Diktatur wollen wir diese neue nationale Einrichtung schaffen.
  • Wir nutzen die Zwischenzeit: Politische Voraussetzungen für das FOW sind durch Beschlüsse auf Landes- und Bundesebene geschaffen. Die Zeit, die es braucht weitere finanzielle und organisatorische Grundlagen zu schaffen, nutzen wir, die Inhalte des FOW in unterschiedlichen Kontexten und Räumen vorab temporär umzusetzen und so die gesellschaftliche Unterstützung für das FOW wachsen zu lassen.

ARBEIT

  • Wir arbeiten innovativ: Wir nutzen digitale Technologien und künstliche Intelligenz für das Archiv, seine rasche und unkomplizierte Nutzung und die Vermittlung, sofern die Anwendung einer Technologie nicht unseren Werten widerspricht.
  • Wir pflegen unsere besondere Expertise: Wir stehen in der Tradition der GründerInnen des Archivs, die selbst Akteure der Friedlichen Revolution von 1989/90 waren. Ihr Wissen legte den Grundstock zu unserer besonderen Expertise, auf die alle im Team aufbauen. Diesen Wissensspeicher zu erhalten, zu erweitern und zu bewahren sowie neue Perspektiven zu entwickeln, ist Teil unsere Arbeitsaufgabe und -kultur.
  • Wir erhalten aktiv unsere öffentlichen Erinnerungsmarken: Wir verwenden Kapazitäten auch für die Pflege unserer bisherigen Aktivitäten im öffentlichen Raum wie Revolutions-Stelen, Haustafeln und Dauerausstellungen und entwickeln ihre Relevanz regelmäßig weiter.
  • Wir wachsen durch unsere Arbeit: Wir gehen respektvoll und wertschätzend mit den Zeitzeugen und Betroffenen der SED-Diktatur, deren Nachfahren und allen weiteren Zielgruppen um. Wir sind der Transparenz der Organisation, Zugänglichkeit des Archivguts und gesellschaftlicher Teilhabe aller am Archiv Interessierter verpflichtet.

Unsere Vision

Unsere Vision ist eine Gesellschaft, die Freiheit, Demokratie und Menschenrechte schätzt und schützt, in der Menschen frei leben und sich ohne Angst engagieren.


Unsere Werte

Die Robert Havemann Gesellschaft e.V. ist dem Grundsatz von parteilicher und konfessioneller Unabhängigkeit verpflichtet. Unser Namensgeber ist bis heute eine Orientierung durch seinen „Einsatz für ein geeintes Europa, seine kritische und insbesondere seine selbstkritische Auseinandersetzung mit Stalinismus [Kommunismus] und der SED-Diktatur.“


Die Geschichte der Robert Havemann Gesellschaft als Archiv, dass durch die Initiative von in der DDR in Opposition und Widertand aktiven Menschen nach 1990 entstanden ist, beinhaltet ebenfalls einen Werte-Kanon, der sich in den gesammelten Zeugnissen der DDR-Opposition im Archiv spiegelt:

  • Demokratie
  • Freiheitsrechte
  • Menschenrechte
  • Friedliches Miteinander
  • Rechtsstaatlichkeit
  • Stärkung der europäischen Idee

Diesen Werten fühlen wir uns in der Umsetzung unserer Mission verpflichtet. Wir sehen uns ebenfalls aus dieser Tradition heraus als ein zivilgesellschaftliches Archiv, das unabhängig von staatlicher Einflussnahme die Geschichte der Opposition in der DDR aus zivilgesellschaftlicher Perspektive sammelt, erforscht und vermittelt sowie nach den eigenen Werten in der Gegenwart aktiviert.


Unser Umfeld

Als Robert Havemann Gesellschaft. Archiv der DDR-Opposition sind wir Teil der Aufarbeitungslandschaft zur SED-Diktatur sowie der Archivlandschaft der Bundesrepublik Deutschland. Für uns ist unser zivilgesellschaftlicher Status historisch begründet und verpflichtend. In dem Sinne sehen wir uns auch als Teil der Zivilgesellschaft des Landes.

Unsere Zielgruppen sind die Protagonisten, die für Opposition und Widerstand in der kommunistischen Diktatur stehen, ihre Familien und Nachfahren; nächste Generationen; staatliche, unabhängige und internationale Archive; Forschende und WissenschaftlerInnen; Studierende, SchülerInnen und Lehrkräfte; Museen, Erinnerungsstätten und Initiativen; staatliche Fördererinstitutionen; die interessierte Öffentlichkeit.

Wir wollen durch Vernetzung, Kooperation und Zusammenarbeit Mehrwert für unsere Nutzenden und die Gesellschaft schaffen, Innovationspotentiale besser ausschöpfen und Effizienzen für die Organisationsführung steigern.


Unsere Organisation

Die Organisation wird über mehrere Organe geführt:

  • Der Vorstand (mit maximal 5 Mitgliedern) wird von der Mitgliederversammlung gewählt und ist verantwortlich für die operative Führung und Kontrolle. Er tritt einmal im Quartal zusammen.
  • Die Geschäftsführung, angestellt vom Verein, ist für das tägliche Management und die laufenden Geschäfte verantwortlich. Sie ist gegenüber dem Vorstand und der Mitgliederversammlung rechenschaftspflichtig.
  • Der Beirat (aus mindestens 3 Personen) sorgt für die fachliche Begleitung und Förderung der Arbeit, besonders im politischen und öffentlichen Raum.
  • Die Mitgliederversammlung als höchstes Gremium ist zuständig für zentrale Entscheidungen wie Vorstandswahl, Richtlinien und Satzungsänderungen. Sie tritt mindestens einmal im Jahr zusammen.

Die Zusammenarbeit der Organe basiert auf Vertrauen und Transparenz. Die tägliche Leitung obliegt der Geschäftsführung. Sie wird kontrolliert und unterstützt durch den Vorstand.


Über die Robert Havemann Gesellschaft – Archiv der DDR-Opposition

Die Robert Havemann Gesellschaft (RHG)

wurde am 19. November 1990 gegründet mit dem Ziel, die Erfahrung von Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur ab 1945, die Geschichte der Friedlichen Revolution sowie die Erfahrungen der ostdeutschen Bürger*innenbewegung zu dokumentieren und zu vermitteln. Sie vereinte zunächst drei Archive unter ihrem Dach, die Dokumente und Zeugnisse dreier gesellschaftlicher Gruppierungen bzw. Personen umfasst:

  • das Robert Havemann Archiv (gegründet 1992)
  • das Archiv der Umweltbibliothek (entstanden ab 1986, ab 1992 unter dem NamenMatthias-Domaschk-Archiv, eingegliedert 1993)
  • und das Archiv Grauzone der unabhängigen Frauenbewegung der DDR (entstandenab 1988, eingegliedert 2007)

Die RHG versteht sich als Archiv zur DDR-Opposition und hat in den dreieinhalb Jahrzehnten ihrer Existenz zusätzlich zu den drei Erst-Sammlungen viele weitere Nachlässe und Bestände erhalten und eingeworben, sowie einen großen Fotobestand zu Opposition und Widerstand in der DDR aufgebaut, der über eine Million Fotos enthält. Mit Hunderten von jährlichen Archivbesuchenden und einem steten Zuwachs der Sammlung hat sie sich als zentrales Archiv zur Geschichte der DDR-Opposition für Forschung, Bildung und Medien etabliert.

Das Archiv

umfasst im Jahr 2025 ca. 1.800 laufende Meter Schriftgut, vor allem Selbstzeugnisse der Opposition – von Einzelpersonen sowie Gruppen und Vereinigungen - darunter eine Sammlung von Samisdat-Publikationen und Zeitungen und Zeitschriften der Bürgerbewegung sowie eine umfangreiche Ergänzungsdokumentation zur Repression in der DDR. Weiter gehören zum Bestand 1 Million Fotos, 1.600 Plakate, 5.000 Videokassetten, 700 Tonträger, 100 Transparente sowie 73 laufende Meter Presse-Dokumentation. Zusätzlich unterhält die RHG eine Präsenzbibliothek mit etwa 9.000 Buch- und 160 Zeitschriften- und Zeitungstiteln.

Seit 2009

hat die Robert Havemann Gesellschaft die stadtweiten Berliner Erinnerungs-veranstaltungen an die Friedliche Revolution und den Mauerfall mitangestoßen und ist seither ständiger Partner der Jubiläen. Seit 2016 präsentiert sie im Innenhof der „Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie“ in Berlin-Lichtenberg dauerhaft ihre Open-Air Ausstellung „Friedliche Revolution und Mauerfall“. Mit Dutzenden von jährlichen Veranstaltungen, Kooperationen und dem Campus-Kino im Sommer jeden Jahres ist sie ein lebendiger Teil der Aufarbeitungslandschaft.