Robert Havemann


Robert Havemannhält vor dem überfüllten Auditorium während der letzten Vorlesung der Reihe "Naturwissenschaftliche Aspekte philosophischer Probleme" an der Berliner Humboldt-Universität am 10. Januar 1964. Ein Kamreateam der DEFA hat den Raum für Dokumentaraufnahmen ausgeleuchtet, die umgehend beschlagnahmt wurden.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Erfassung von Robert Havemann durch das MfS in Form einer Kerblochkarteikarte. Unter der Rubrik Vorstrafen: "VdN" [Verfolgter des Nazi-Regimes].
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Für den Marsch der politischen Gefangenen des Zuchthauses Brandenburg nach Berlin stellten sich die befreiten Häftlinge selbst Bescheinigungen aus, die sie als Antifaschisten ausweisen sollten.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Robert Havemann am Eingang in sein Gartengrundstück in Grünheide, wo er seine letzten Lebensjahre mit seiner Frau Katja Havemann verbrachte.
Quelle: Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Harald Schmitt
©Bundesstiftung Aufarbeitung, Fotobestand Harald Schmitt, Bild 790511-01
Robert Havemann besuchte 1961 mit Gerald Götting, Vorsitzender der DDR-CDU den Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer in dessen Hospital in Afrika.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Robert Havemann mit seiner seiner Ehefrau Katja.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Robert Havemann
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Katja Havemann mit Tochter Franziska und Werner Theuer in der BStU, aufgereiht die Stasi-Unterlagen über Robert Havemann, welche in das Archiv der RHG übernommen wurden.
Quelle: © Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walter
 

ROBERT HAVEMANN (11.3.1910 – 9.4.1982)

Der Physikochemiker Robert Havemann schloß sich 1933 dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus an. Als Mitbegründer der Gruppe „Europäische Union“ wurde er 1943 zum Tode verurteilt. Befreundete Wissenschaftler erreichten wiederholt den Aufschub der Hinrichtung, bis die Rote Armee im April 1945 das Zuchthaus befreite. In den Nachkriegsjahren engagierte sich Robert Havemann vorbehaltlos für den Aufbau der DDR als kommunistische Alternative. Die Enthüllungen über stalinistische Verbrechen im Jahre 1956 erschütterten ihn tief und bewirkten seinen Wandel. Seit den 60er Jahren gehörte er zu den bekanntesten Kritikern des SED-Regimes. Er stritt für Freiheit, Menschenrechte und eine legale Opposition im Sozialismus und thematisierte die deutsche Teilung. Nach seiner Aufsehen erregenden Vorlesungsreihe an der Berliner Humboldt-Universität 1963-64 erhielt er Berufsverbot. Bis zu seinem Lebensende war er ständiger Überwachung und Verfolgung ausgesetzt. Mit seiner mutigen Haltung, seinem Freiheitsbegriff und seiner politischen Lebenserfahrung wurde er zu einer Symbolfigur der DDR-Opposition.

Mehr zur Biographie Robert Havemanns
Wanderausstellung, ein Projekt der RHG
Themen-Dossier: Angriff auf Robert Havemann

 

Ehrung für Robert Havemann

Im Jahr 2005 zeichnete die israelische Gedenkstätte Yad Vashem Robert Havemann und andere Mitglieder der Gruppe "Europäische Union" mit dem Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" aus.

 

 



Harold Hurwitz: Robert Havemann. Eine persönlich-politische Biographie, Teil I: Die Anfänge

Robert Havemann zu verstehen braucht mehr als die Vereinfachung des zum ersten Dissidenten der DDR geläuterten Stalinisten. Allein Kindheit und Jugend, die Geschichte der Mutter und auch und gerade des Vaters sind so facetten- und aufschlussreich, dass sie es verdienen, hier erstmals in einem ausführlichen Kontext bis zu Havemanns Anfängen als Kommunist dargestellt zu werden.
Die aus verarmtem Adel stammende, künstlerisch hochbegabte Mutter heiratete nach dem Selbstmord ihrer ersten großen Liebe den 13 Jahre jüngeren, erst 20-jährigen Hans Havemann. Der psychisch labile Sohn eines Saatguthändlers aus dem südlichen Mecklenburg fühlte sich zu Höherem berufen und kämpfte lange - u. a. mit expressionistischen Theaterstücken - um Anerkennung, bis er Mitte der 20er Jahre Feuilletonchef der Westfälischen Neuesten Nachrichten in Bielefeld wurde. Hier empfingen die Havemanns Künstler und Intellektuelle, die für die Blütezeit der Weimarer Republik synonym sind, darunter viele Juden. „In meinem Elternhaus war Antisemitismus als dumm und barbarisch verachtet", schreibt Robert Havemann später. Dennoch traten Vater und Bruder Hans-Erwin kurz nach der Machtergreifung Hitlers der NSDAP bei. Hans-Erwin machte bei den Nazis als Grafiker Karriere, er fiel in Russland; der Vater trat nach 1945 genauso schnell der SED bei. Robert blieb, als harmloser „Edelkommunist" belächelt, in der weitverzweigten Verwandtschaft allein unter Nationalen und Nationalsozialisten, was er für seine Widerstandstätigkeit durchaus zu nutzen wusste. Die Liebe zu Elisabeth Schmidt, einer kommunistischen Berliner Taxifahrerin, führte das naturwissenschaftlich begabte „Bürgersöhnchen" schließlich zu Marx und zum Widerstand. Die Affäre war kurz, die Freundschaft währte ein Leben lang.

Über den Autor

Harold Hurwitz, geboren 1924 in Hartford, Connecticut, studierte Soziologie an der Columbia University, New York, bevor er im November 1946 als Zivilangestellter des Hauptquartiers der US-Militärregierung (OMGUS) nach Berlin kam und dort blieb.
Er war Berater der Regierenden Bürgermeister Willy Brandt und Klaus Schütz sowie Leiter des Meinungsforschungsprogramms des Senats. Sein erster Chef hieß Egon Bahr. Ende der 60er Jahre ging er an die Freie Universität Berlin und habilitierte sich 1972 mit einer schon lange als Standardwerk geltenden Untersuchung über Die Stunde Null der deutschen Presse.
Die Beschäftigung mit der Widerstandsgruppe „Neu Beginnen" während der Arbeit an dem vierbändigen Werk Demokratie und Antikommunismus in Berlin nach 1945 rückte die Person Robert Havemanns in seinen Fokus.
Harold Hurwitz ist Beiratsmitglied der Robert-Havemann-Gesellschaft.


"Robert Havemann. Eine persönlich-politische Biographie"
ISBN 978-3-9812-7056-3
16,90 €
Entenfuß Verlag Berlin
entenfussverlag@gmx.de

Inhaltsverzeichnis.

Rezension von Volker Strebel in der Zeitschrift UNIVERSITAS - Orientieren! Wissen! Handeln! Heft 9/September, Nr. 795, Heidelberg 2012, 67. Jahrgang