Aktuelles

Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_OOp_0010

9. November, Mauerfall, Bornholmer Straße – dieser Dreiklang wird heute, 29 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, sicherlich in vielen Publikationen auftauchen. Alle kennen die Bilder der glücklichen Ostdeutschen als Sie am 9. November 1989 jubelnd den Grenzübergang an der Bornholmer Straße überwanden.

Der Fotograf und Journalist Olaf Opitz war an diesem Abend nicht dort, sondern ein paar Kilometer weiter am Grenzübergang Sonnenallee. Für unsere Rubrik #AusdemArchiv nimmt Opitz uns mit durch diese historische Nacht und auf seine kurzen Reise zum Ku‘damm am 9. November 1989.  

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@Robert-Havemann-Gesellschaft/Olaf Opitz/Fo_OOp_0005

Am 6. November 1989 führt der Journalist und Fotograf Olaf Opitz für die Zeitung „Der Morgen“ ein Interview mit der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, ein historisches Interview. Sie fordert die Zulassung einer legalen Oppositionsbewegung und spricht über die Flucht aus der DDR und über Wolf Biermann.

Es ist das erste Interview der Oppositionellen, das in einem DDR-Medium abgedruckt wird. Die Mauer fällt erst einige Tage später am 9. November, an dem Tag, an dem auch der Artikel erscheint. In unserer Rubrik #AusdemArchiv finden Sie nicht nur den gesamten Artikel, sondern auch ein Bericht von Olaf Opitz, wie es zu dem Interview kam und welche Schwierigkeiten es bei der Veröffentlichung gab. 

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Bernd Eisenfelds Telegramm gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt Staaten in die CSSR. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_BE 16

Dieses Jahr feiern wir 50 jähriges Jubiläum des Prager Frühlings. „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ nannte sich die Idee von der 1968 auch viele Ostdeutsche begeistert waren. Umso größer war ihr Entsetzen nach der gewaltsamen Niederschlagung der Reformbewegung durch die Truppen des Warschauerpakts.

Der junge Bernd Eisenfeld protestiert mit einer Flugblattaktion gegen die brutalen Maßnahmen, für die er zwei Jahre und sechs Monate im Gefängnis sitzen wird. Später reist er mit seiner Familie in die Bundesrepublik aus. Auch aus dem Westen ist er einer der lautstärksten Kritiker des SED-Regimes. In unserer Reihe „Aus dem Archiv“ erinnern wir an Bernd Eisenfeld und seinen Protest. Zum Beitrag

 

 

11.10.2018

In Online-Datenbank des Archivs der DDR-Opposition sind jetzt über 1.800 Fotos recherchierbar

Der Fotobestand des Archivs der DDR-Opposition umfasst mehr als 390.000 Fotos. Mit finanzieller Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien konnte im Dezember 2016 eine Online-Datenbank auf der Homepage der RHG freigeschaltet werden.

Seither werden dort kontinuierlich Fotos für die Online-Recherche in den verschiedenen Fotobeständen zur Verfügung gestellt. Nun wurde die Online-Datenbank um weitere 1.200 Fotos aus den Beständen Dietrich Bahß, Nikolaus Becker, Volker Döring, Andreas Kämper und Bernd Markowsky ergänzt. Insgesamt können jetzt 1.775 Bilder zu den Themen Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur, Friedliche Revolution und DDR-Alltagskultur online eingesehen werden können. Zum Bildarchiv

 

 

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsverbunds „Landschaften der Verfolgung“ sucht die Robert-Havemann-Gesellschaft Verstärkung eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in.

Gegenstand des auf vier Jahre angelegten Vorhabens ist die Erstellung einer Datenbank mit den Namen und Biographien möglichst aller Opfer kommunistischer Diktaturen in der SBZ/DDR zwischen 1945 und 1989. Zudem widmen sich die Teilprojekte des Forschungsverbundes dem individuellen und kollektiven Umgang mit Repression und Verfolgung, der zunehmenden Verrechtlichung von Herrschaft in der DDR sowie der Erforschung von Spätfolgen der Hafterfahrungen. Sprecher des Forschungsverbunds ist Prof. Dr. Jörg Baberowski.

Am Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“ sind folgende Einrichtungen als Projektpartner beteiligt: Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Jörg Baberowski), Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße, Charité Universitätsmedizin Berlin (Prof. Dr. Isabella Heuser-Collier), Professur für Politikwissenschaft an der Universität Passau (Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig) sowie Prof. Dr. RA Johannes Weberling (Europauniversität Viadrina Frankfurt/Oder).

Vorbehaltlich der Mittelzuweisung durch den Förderer ist im Rahmen des Forschungsverbunds zum 1. Januar 2019 folgende Stelle bei der Robert-Havemann-Gesellschaft zu besetzen.

 

Eine Stelle als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in (Doktorand/in, 100%, TV-L E11, Laufzeit vier Jahre) Kennziffer: RHG 1/18

Aufgaben:
- Möglichst vollständige Erfassung von Personen aus Widerstand und Opposition gegen die SED-Diktatur anhand der zur Verfügung stehenden deutschen Quellen
- Anfertigung einer Dissertation. Die Betreuung des Promotionsvorhabens übernimmt Prof. Dr. Jörg Baberowski (Humboldt-Universität zu Berlin).
- Recherche in deutschen Archiven
- Verfassen von Kurzbiografien
- Publikation von Forschungsergebnissen im Rahmen des Projekts 
- Beteiligung am Graduiertenprogramm „Landschaften der Verfolgung“ 
- Regelmäßige Teilnahme an Arbeitstreffen der Verbundprojektpartner

Anforderungen: 
- abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium in Geschichtswissenschaft mit überdurchschnittlichem Ergebnis
- Kenntnisse der DDR-Geschichte, insbesondere der Widerstands- und Oppositionsgeschichte gegen die SED-Diktatur 
- Fähigkeit zum eigenständigen konzeptionellen Arbeiten 
- Interesse an Digital History wünschenswert

Ihre Bewerbungen richten Sie bitte bis zum 31. Oktober 2018 per Post oder elektronisch (ein pdf) mit den üblichen Unterlagen (aussagekräftiges Motivationsschreiben, wissenschaftlicher Lebenslauf, Zeugnisse, evtl. Publikationsverzeichnis) an folgende Adresse:

Robert-Havemann-Gesellschaft
z.Hd. Dr. Olaf Weißbach
Ruschestr. 103 (Haus 17)
10365 Berlin 
olaf.weissbach@havemann-gesellschaft.de

Demonstrationen am 4. November 1989 auf dem Berlin Alexanderplatz. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Jörg Metzner

Die Robert-Havemann-Gesellschaft übernimmt einen großen Teil der Bilder des Berliner Fotografen Jörg Metzner.

Metzner, heute renommierter Theaterfotograf, war schon zu DDR-Zeiten aufmerksamer Beobachter der kleinen und großen Dramen, die sich in seinem Umfeld abspielten. Intensive Aufnahmen sozialistischer Alltagskultur zählen ebenso zu seinem Repertoire, wie zentrale Ereignisse der Friedlichen Revolution die er als aktives Mitglied der Berliner oppositionellen Szene dokumentierte. Ab 1990 arbeitete er als Bildjournalist für die taz, den "Freitag" sowie "die andere" und dokumentierte den Weg zur Deutschen Einheit und den Transformationsprozess in den ostdeutschen Bundesländern.

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21.09.2018

Digitales Deutsches Frauenarchiv geht online

Seit letzter Woche ist die Archivlandschaft um eine Errungenschaft reicher: im Digitalen Deutschen Frauenarchiv (DDF) ist erstmals Wissen zur deutschen Frauenbewegung in einem gemeinsamen Portal gebündelt und für alle Interessierten zugänglich.

Wir beteiligen uns mit dem umfangreichen Schriftgutbestand Grauzone an dem Projekt. Das Archiv Grauzone ist das einzige Archiv zur ostdeutschen Frauenbewegung. Hier finden sich die Nachlässe wichtiger Akteure der ostdeutschen Frauenbewegung, Unterlagen des Unabhängigen Frauenverbands UFV, Sammlungen zu feministischer Samisdat-Literatur, sowie wissenschaftliche Arbeiten. Ein Teil dieser und weitere 500.000 ausgewählte Dokumente zur Frauen- und Lesbensgeschichte anderer Archive sind nun im Internet frei zugänglich. Getragen wird das Projekt vom i.d.a.-Dachverband, in dem sich gut 40 Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen zusammengeschlossen haben, die diese wertvollen Dokumente  bewahren. 

Zum DDF geht es hier lang: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/start

Im Berliner Zentrum soll eine neue Mauer gebaut werden. Innerhalb der künstlichen Grenzanlage will  der russische Künstler Ilya Khrzhanovsky, zusammen mit der Berliner Festspiele GmbH, Szenen aus seinem Mammut-Projekt „Dau“ über das Leben des sowjetischen Physikers Lew Landau zeigen.

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Wer an der Inszenierung teilnehmen will, gibt am symbolischen Grenzübergang seine Bürgerrechte ab und soll die nachinszenierten Bedingungen eines totalitären Regimes nacherleben können. Die einen reden vom spektakulären Kulturereignis, andere von einer Banalisierung kommunistischer Verbrechen. Der Bürgerrechtler, Regisseur und ehemalige Bundestagsabgeordnete Konrad Weiß hat seinen Unmut über das Kunstprojekt in einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und den regierenden Bürgermeister von Berlin Michael Müller geäußert.

Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut des Briefes

 

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Grütters,
sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Müller,

verschiedenen Pressemeldungen war zu entnehmen, daß Sie das Projekt des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky unterstützen, im Herzen von Berlin temporär eine Mauer zu errichten. Den nunmehr öffentlich zugänglichen Unterlagen ist jedenfalls zu entnehmen, daß die Berliner Festspiele GmbH, die vom Bund und vom Land Berlin gefördert wird, zu den Veranstalter zählen soll.

Der Gedanke, daß ein Stück Berlin neuerlich von einer Mauer geschändet wird, und sei es auch nur für einige Tage, ist für mich unerträglich. Ich denke, daß dies viele, die in der DDR oder in Ostberlin gelebt haben, so empfinden werden. Allein die Vorstellung, an der Staatsoper, gegenüber der Hedwigskathedrale oder Unter den Linden - mitten im freiheitlichen Berlin - Wachtürme und Beton und Grenzposten sehen zu müssen, läßt bitterste Erinnerungen und Gefühle wach werden. Das sollte uns niemand antun.

Versuchen Sie sich doch bitte in die Gefühle jener zu versetzen, die jahrzehntelang von dieser Mauer eingesperrt gelebt haben oder den Versuch, ihr zu entkommen, bitter bezahlt haben. Oder deren Angehörige oder Freunde an der Mauer ermordet wurden. Den Schrecken der Mauer werden Nachgeborene oder Menschen, die nicht hier gelebt haben, nie wirklich nachvollziehen können, auch nicht durch dieses Spektakel, daß Herr Khrzhanovsky und seine russischen Geldgeber uns aufdrängen wollen.

Dieses Projekt ist keine künstlerische Provokation, sondern banalisiert die kommunistischen Verbrechen, auch die der ehemaligen Sowjetunion in Ostberlin und in der DDR. Und es versucht, den heroischen Fall der Mauer, diesen großartigen Moment der deutschern Geschichte, beliebig zu machen und zu entwerten. Was soll dieser alberne nachgespielte Mauerfall, was sollen die "Mauerspechte" an dieser Theaterkulisse, auch wenn sie aus Beton ist.

Was soll diese gigantische Zelebrierung des Bösen.

Die Unternehmungen von Herrn Khrzhanovsky tendieren dazu, Menschen völlig zu vereinnahmen und für seine Zwecke gefügig zu machen. Welche neuen Erkenntnisse über den Menschen, seine Ängste und Schwächen, soll dieses Sozialexperiment, daß er"DAU Freiheit" nennt, denn tatsächlich bringen? Natürlich wird es Menschen geben, die sich ein "Visum" für sein Mauerland kaufen und sich für alles nur Denkbare gebrauchen und benutzen lassen. Aber sie werden die Schrecken einer Diktatur dennoch nicht nachvollziehen können. Sie werden auch den Wert unserer Demokratie nicht neu erfahren und neu schätzen lernen.

Bitte bedenken Sie: Wenn Sie Ilya Khrzhanovskys Projekt zulassen, würden Sie zulassen, daß mitten in Berlin eine No-Go-Area geschaffen wird, in der nach dem Willen der russischen Projektanten das Grundgesetz nicht oder nur noch bedingt gilt. Sie würden es zulassen, daß mitten in Berlin nach den Regeln einer fremden Macht gelebt und verfahren würde, und daß, unter dem Deckmantel der Kunst, demokratisch gewählte und legitimierte Institutionen nur noch bedingt handlungsfähig wären. Sie würden hoheitliches Recht und Handeln auf einem Stück Deutschland, einem Stück Berlin aus der Hand geben.

Sie würden es zulassen, daß Bürgerinnen und Bürger unseres Landes gezwungen würden, beim Besuch von DAU persönliche Daten preiszugeben, ihr Mobiltelefon auszuhändigen und so gezwungen würden, ohne Kontakt nach außen zu sein. Sie müßten sich statt dessen einer anonymen Macht, einem "Device" ausliefern, von dem niemand weiß, welcher Algorithmus oder vielmehr, welche Macht dahinter steckt. Eine solche totale Isolierung, eine solche Funkstille mitten im Zentrum von Berlin wäre eine unverantwortliche Beschränkung bürgerlicher Freiheit.

Ich habe seinerzeit als Mitglied des Deutschen Bundestages Christos Reichstagsverhüllung aus ganzem Herzen unterstützt, weil sein Werk einen neuen Blick auf die deutsche Geschichte ermöglicht und eine neue Dimension in der politischen Debatte eröffnet hat. Das Projekt von Khrzhanovsky hingegen ist destruktiv und demagogisch. Es wird unserem Land nicht dienen, sondern schaden.

Ich bitte Sie, die Umsetzung des Projektes in Berlin nicht zuzulassen.

Mit freundlichen Grüßen

Konrad Weiß

Berlin, den 7. September 2018

Der Demonstrationszug des Olof-Palme-Friedensmarsches durch Berlin Prenzlauer Berg am 5. September 1987. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Weu/Olaf_Palme_Marsch15

Vom 1. bis zum 19. September 1987 marschierten in Gedenken an den ermordeten schwedischen Premierminister Olof Palme und seinen Vorschlag eines 150 km langen Atomwaffenfreien Korridors, Friedensaktivisten durch ganz Europa – unter anderem auch durch die DDR.

Bis zur großen Demonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz bleibt der Olof-Palme-Marsch die erste und einzige legale Demonstration regimekritischer Gruppierungen in der DDR. In unserer Rubrik "Aus dem Archiv" erinnern wir an den Pilgermarsch und zeigen umfangreiches Bildmaterial aus den Beständen des Archivs der DDR-Opposition.

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Mehr als 100 Bürgerrechtler und ehemalige DDR-Oppositionelle haben sich mit einer „Gemeinsamen Erklärung zu Chemnitz“ zum Versuch populistischer Gruppierungen, das Erbe der Friedlichen Revolution von 1989 für sich zu vereinnahmen, positioniert. Wir dokumentieren die Erklärung, sowie neue Unterzeichner, auf unserer Internetseite. 

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Anlass waren der Mord an dem Chemnitzer Daniel H. und die darauffolgenden Ereignisse in der sächsischen Stadt. Die DDR-Bürgerrechtler kritisieren jene, „die solche Straftaten instrumentalisieren für menschenverachtende oder demokratiefeindliche Propaganda“. Davon nehmen sie „die große Mehrheit friedlich trauernder und teilweise zu Recht über die Versäumnisse der Politik verärgerten sächsischen Bürgerinnen und Bürger“ explizit aus. Die „Erklärung zu Chemnitz“ konstatiert, dass sich inzwischen nicht wenige Pegida- oder AfD-Sympathisanten auf die friedliche Revolution von 1989 und auf die am 11. September 2010 verstorbene DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley beziehen. In der „Erklärung“ heißt es dazu: „Wegen ihres Einsatzes für Frieden, Freiheit und Menschenwürde wurde Bärbel Bohley 1983 und 1988 ins Gefängnis geworfen. Den von ihr nach dem Mauerfall gesprochenen Satz `Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat` verstehen wir als Appell für mehr Gerechtigkeit für die Opfer der SED-Diktatur, für politisch Verfolgte und Benachteiligte in Ostdeutschland“. Die "Erklärung" der Bürgerrechtler appelliert an alle, die Kräfte der gewaltfreien Zivilgesellschaft zu stärken, das allein schaffe die Voraussetzungen für eine vielfältige und zukunftsfähige Entwicklung in Deutschland.

Es folgt der vollständige Text der Erklärung mit Unterzeichnerliste

 

Gemeinsame Erklärung zu Chemnitz

„Chemnitz ist gleich nebenan“

Kein Mensch darf ermordet werden. Weder „nebenan“ in Chemnitz noch irgendwo auf der Welt. Trotzdem geschieht es. Wir verurteilen den Mord von Chemnitz und jede andere Mord- oder Straftat, wo auch immer sie geschieht.

Wir kritisieren aber auch jene, die solche Straftaten instrumentalisieren für menschenverachtende oder demokratiefeindliche Propaganda. Die große Mehrheit friedlich trauernder und teilweise zu Recht über die Versäumnisse der Politik verärgerten sächsischen Bürgerinnen und Bürger nehmen wir von dieser Kritik ausdrücklich aus.

Nach dem Motto „Wir waren damals gegen den Staat auf der Straße und wir sind es heute wieder“ berufen sich inzwischen nicht wenige Pegida- oder AfD-Sympathisanten auf die friedliche Revolution von 1989. Ein Anführer der Wählergruppe „Pro Chemnitz“ bezieht sich dabei direkt auf die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley.

Wegen ihres Einsatzes für Frieden, Freiheit und Menschenwürde wurde Bärbel Bohley 1983 und 1988 ins Gefängnis geworfen. Mit anderen hatte sie die Gruppe „Frauen für den Frieden“ gegründet. 1989 gehörte sie zu den Hauptakteuren der Bürgervereinigung „Neues Forum“, die die damalige Staatsführung zum Dialog aufrief.

Den von ihr nach dem Mauerfall gesprochenen Satz „Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat“ verstehen wir als Appell für mehr Gerechtigkeit für die Opfer der SED-Diktatur, für politisch Verfolgte und Benachteiligte in Ostdeutschland.

Wir sagen: „Der Rechtsstaat, den wir haben, ist aufgrund nicht nur unserer Erfahrungen vor allem für die Bewohner eines Unrechtsstaates ein hohes und erstrebenswertes Gut. Was zugleich bedeutet, dass es auch in diesem Rechtssystem ständig Verbesserungsbedarf gibt.“

Wir fordern die Vertreterinnen und Vertreter dieses Rechtsstaates auf: Handeln Sie, klagen Sie jene an, die morden und jene, die solche und andere Straftaten zum Anlass nehmen für Volksverhetzung, Aufrufe zur Gewalt oder verfassungsfeindliche Aktivitäten.

Stärken wir die Kräfte der gewaltfreien Zivilgesellschaft, das allein schafft die Voraussetzungen für eine vielfältige und zukunftsfähige Entwicklung in unserem Land.

5. September 2018

 

Unterschriften: Gesine Oltmanns (Vorstand Stiftung Friedliche Revolution, Mitarbeiterin der Bürgerrechtsakademie Leipzig), W. Christian Steinbach (Regierungspräsident a.D., Leipzig), Gisela Kallenbach (ehem. MdEP und MdL Sachsen, Leipzig), Stephan Bickhardt (Vorsitzender EuropaMaidan Leipzig e.V.), Konrad Weiß (Mitgründer von „Demokratie Jetzt“, Regisseur, ehem. MdB, Berlin), Rainer Eppelmann (Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ehem. MdB, Berlin), Almut Ilsen (ehem. DDR-Bürgerrechtlerin, wiss. Bibliothekarin, Fotografin, Berlin), Werner Schulz (Kuratorium Stiftung Friedliche Revolution Leipzig, ehem. MdB und MdEP), Gerold Hildebrand (Sozialwissenschaftler, ehem. Umwelt-Bibliothek Berlin), Rüdiger Rosenthal (Autor, Berlin), Wolfram Tschiche (Philosoph, Klinke), Esther-Marie Ullmann-Goertz (Theologin und Personalentwicklerin, Berlin), Prof. Dr. Rainer Eckert (Historiker, ehem. Direktor Zeitgeschichtliches Forum, Leipzig), Ines-Maria Köllner (Mitgründerin von „Demokratie Jetzt“, Leipzig), Wolfgang Templin (Publizist, ehem. Initiative für Frieden und Menschenrechte, Berlin), Jutta Seidel (ehem. „Frauen für den Frieden“, Mitgründerin des Neuen Forums, Berlin), Dr. Eberhard Seidel (Mitgründer des Neuen Forums, ehem. „Ärzte für den Frieden“, Berlin), Hans-Jürgen Fischbeck (Mitgründer von „Demokratie Jetzt“, Berlin), Reinhard Weißhuhn (ehem. Initiative für Frieden und Menschenrechte, Vorstandsmitglied Robert-Havemann-Gesellschaft, Berlin), Dr. Martin Böttger (Vorsitzender des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau e.V., Zwickau), Christian Dietrich (Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Erfurt), Sigrid Rothe (Psychologin, Erfurt), Aribert Rothe (Theologe, Erfurt), Siegbert Schefke (Journalist, Leipzig), Uwe Schwabe (Vorstandsvorsitzender Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V.), Wolfgang Stadthaus (ehem. Bausoldat, Mitgründer des Friedenskreises Berlin), Christa Sengespeick-Roos (ehem. Pfarrerin in der Auferstehungskirche Berlin-Veranstaltungsort der Politischen Nachtgebete der „Frauen für den Frieden“), Axel Holicki (Diplompsychologe, Leipzig), Andreas Bertram (ev. Pfarrer und SDP-Gründungsmitglied, Leipzig), Matthias Voigt (ehem. Umwelt-Bibliothek, Berlin), Gunter Weißgerber (SDP-Gründungsmitglied, ehem. MdB, Leipzig), Bettina Rathenow (ehem. „Frauen für den Frieden“, Berlin), Eckart Hübener (Diktaturfolgen-Beratung von Caritas und Diakonie, Rambow), Heiko Lietz (ehem. Neues Forum, Mitbegründer des Sozialforums West-Mecklenburg, Schwerin), Martin Klähn (Mitgründer des Neuen Forums, jetzt Politische Memoriale e.V., Schwerin), Mario Schatta (Psychotherapeut, ehem. Friedenskreis Berlin-Weißensee), Britta Albrecht-Schatta (Gemeindepädagogin, Berlin), Michael Heinisch-Kirch (Freundeskreis Wehrdiensttotalverweigerer, Berlin), Joachim Goertz (Pfarrer, Berlin), Wolfgang Rüddenklau (Mitgründer der Berliner Umwelt-Bibliothek), Frank Batsch (ehem. Bausoldat, Abteilungsleiter im Gesundheitswesen, Berlin), Rudi-Karl Pahnke (Theologe, Berlin), Dr. Maria Nooke (Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur), Bernd Albani (ehem. Pfarrer Gethsemanekirche, Berlin), Manuela Albani (Berlin), Peter Neumann (Neues Forum und Arbeitsgruppe Sicherheit am Runden Tisch, Berlin), Lothar Rochau (Diakon, Halle), Kathrin Mahler Walther (ehem. Bürgerrechtlerin in Leipzig, Geschäftsführerin Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin), Wolfgang Musigmann (Diakon und Leiter der Ev. Offenen Arbeit, Erfurt), Andreas Schönfelder (Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V.), Frank Ebert (DDR-Oppositioneller, jetzt Robert-Havemann-Gesellschaft, Berlin), Tina Krone (DDR-Oppositionelle, jetzt Robert-Havemann-Gesellschaft, Berlin), Michael Frenzel (Geschäftsführer des Sozialdiakonische Kinder- und Jugendarbeit im Verbund e.V., Berlin), Martin Jankowski (Schriftsteller, Berlin), Hansjürg Schößler (Sozialtherapeut, Berlin), Barbara Sengewald (ehem. DDR-Bürgerrechtlerin, Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V., Erfurt), Matthias Sengewald (Diakon, Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V., Erfurt), Rolf-Dieter Hansmann (Pfarrer, Leipzig), Friedemann Seidel (ehem. DDR-Opposition, Dispatcher, Berlin), Katrin Eigenfeld (Rentnerin, Kasnevitz), Johann-Georg Jaeger (ehem. Neues Forum, Landesvorsitzender Bündnis90/Die Grünen Mecklenburg-Vorpommern, Rostock), Dr. Christoph Wonneberger (Theologe, ehem. Arbeitsgruppe Menschenrechte, Leipzig), Rainer Kühn („Lindentaler - Gemeinsam Wandeln“, Leipzig), Rolf Sprink (Leiter der Volkshochschule a.D., Leipzig), Gottfried Böhme (Lehrer, Leipzig), Bernd Oehler (Bündnis Buntes Meißen, Pfarrer), Liane Plotzitzka-Kämpf (ehem. „Frauen für den Frieden“, Mitglied im Kuratorium der Stiftung Friedliche Revolution Leipzig, Bad Düben), Thomas Lehmann (Fraktionsvorsitzender Bündnis90/Die Grünen im Chemnitzer Stadtrat), Peter-Christian Bürger (Vorstandsmitglied des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V., Chemnitz), Ines Geipel (Schriftstellerin, Berlin), Tim Eisenlohr (ehem. Umwelt-Bibliothek Berlin, Amrum), Michael Bartoszek (Mitgründer von „Demokratie Jetzt“, Berlin), Claus Suppe (DDR-Heimkind wider Willen, Wendeaktivist, Jena), Kerstin Halbrock und Christian Halbrock (ehem. Umwelt-Bibliothek, jetzt Erinnerungsort Töpferstraße, Neustrelitz), Heidi Liegmann-Stein (SED-Opfer, Isenbüttel), Peter Heubach (Mitglied bei VOS-Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Rostock), Michael Hugo (ehem. Neues Forum, Geschäftsführer migra e.V., Rostock), Andreas Isak Neumann-Nochten (Publizist, Theologe, Maler), Siegfried Reiprich (ehem. Jenaer Opposition, jetzt Geschäftsführer Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Dresden), Michael Kleim (Jugendpfarrer, Gera), Manfred Gebhardt (Mitglied im Cottbuser Menschenrechtszentrum e.V.), Ulrich Kasparick (ehem. Stadtjugendpfarrer in Jena, ehem. MdB sowie parl. Staatssekretär), Dr. Hannelore Gilsenbach (Schriftstellerin und Sängerin, Brodowin), Andreas Röhl (SDP-Mitgründer, Bezirksbürgermeister a.D., Berlin), William Totok (ehem. rumänischer Oppositioneller, Publizist und Schriftsteller, Berlin), Stephan Schack (ehem. Bausoldat, Mitgründer Neues Forum, Trainer und Berater, Naumburg), Dr. Matthias Gretzschel (ehem. Bausoldat, Journalist und Autor, Prisdorf), Susanne Kucharski-Huniat (Bündnis90/Die Grünen, Kulturamtsleiterin, Leipzig), Dr. Hans-Christian Trepte (Slawist und Anglist, Leipzig), Gabriele Heide (Mitgründerin "Frauen für den Frieden", Sozialarbeiterin, Leipzig), Siegmar Faust (Oppositioneller, politischer Häftling in der DDR, Berlin), Rainer Krötzsch (Berlin), Andreas Müller (Erster Bürgermeister a.D., Leipzig), Detlef Gaida (Vorstandsmitglied des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau e.V., Elsterberg), Roland Brauckmann (ehem. DDR-Häftling, Historiker, Berlin), Dr. Christoph Körner (Pfarrer i. R., "Christen für gerechte Wirtschaftsordnung", Erlau), Dr. Antje Meurers (ehem. Neues Forum, Lehrerin, Dresden), Reinhard Kähler (ehem. Bausoldat, Pfarrer i.R., Berlin), Rainer Krötzsch (Erzieher, Berlin), Gabriel Berger (ehem. politischer Häftling in der DDR, Physiker, Buchautor, Berlin), Manfred Hastedt (Leiter des Umweltzentrums Chemnitz).

 

Verfasser der Erklärung: Stephan Bickhardt, Almut Ilsen, Rüdiger Rosenthal

Kontakt:

Dr. Martin Böttger
martinboettger(at)web.de
0375-6924301 

Rüdiger Rosenthal
ruedigerrosentha(at)web.de
0171-8311051

Blick auf den Checkpoint Charlie vom Osten in den Westen. Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Markowsky/RHG_Fo_BeMa_871

Der Checkpoint Charlie ist einer der Hotspots für Berlin-Touristen. An wenigen Orten ist der Kalte Krieg so greifbar wie hier. Aber ein richtiges Nutzungskonzept ist nicht zu erkennen. Zwischen Wissenschaft, Gedenkstätten und Aufarbeitungsinitiativen hat sich längst ein Konsens etabliert, mit dem man sich nun an den regierenden Bürgermeister von Berlin wendet. 

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© Robert-Havemann-Gesellschaft/Rainer_M_Schulz/RHG_Fo_HAB_25798

Der Kameramann Rainer M. Schulz machte am 9. November 1989 einzigartige Aufnahmen von der Öffnung der Berliner Mauer am Grenzübergang Bornholmer Straße. Von allen Bildern, die an diesem historischen Abend in Berlin entstehen, sind die von Schulz wahrscheinlich die frühesten.

In unserer Rubrik „Aus dem Archiv“ berichtet er, wie er zusammen mit seinem Sohn den Mauerfall an der Bornholmer Straße erlebte und wie seine historischen Fotos entstanden sind.

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17.08.2018

Archiv der DDR-Opposition bekommt Projektförderung aus PMO-Mitteln

Die Robert-Havemann-Gesellschaft (RHG) bekommt für das Archiv der DDR-Opposition insgesamt 829.000 Euro aus Mitteln des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR (PMO).

Nach einem langen Rechtsstreit der Bundesrepublik mit einer Schweizer Bank stehen den neuen Bundesländern rund 198,9 Millionen Euro zur Verfügung, die zur Förderung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Projekte ausgeschüttet werden können. Der gesamte Berliner Anteil beträgt 16,3 Millionen Euro. Laut Pressemitteilung des Berliner Aufarbeitungsbeauftragten können alle Projekte, die zu Gedenken und Aufklärung über die SED-Diktatur eingereicht wurden, umgesetzt werden. So auch die beiden Projekte der Robert-Havemann-Gesellschaft zur langfristigen Sicherung und Ergänzung Ihrer Archivbestände, die mit dem 1. Januar 2019 beginnen sollen.

Interviews mit ausgewählten Bestandsbildnern des Archivs der DDR-Opposition 

Im Projekt werden 30 ausgewählte Personen befragt, deren Überlieferungen im Archiv der DDR-Opposition bereits erschlossen sind bzw. mit denen die Übernahme von Dokumenten vorbereitet wird. Ziel des Projektes ist, die Quellenbasis zu erweitern und Dokumentationslücken in der archivarischen Überlieferung zu schließen. Durch die Zeitzeugenbefragungen werden Lücken im bisherigen Geschichtsbild geschlossen. Zusammen mit den konventionellen Archivalien im Archiv der DDR-Opposition ergeben sich durch die Zeitzeugeninterviews neue Fragestellungen und Perspektiven auf das Leben des Bestandsbildners.

Entsäuerung, Digitalisierung und Verfilmung der Schriftgutbestände des Archivs der DDR-Opposition

Die Bestände des Archivs der DDR-Opposition sind national wertvolles Kulturgut und wurden deshalb von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin am 24. November 2017 in das dafür vorgesehene Verzeichnis aufgenommen. Ziel des Projektes ist, das schützenswerte Kulturgut dauerhaft zu erhalten. Zu diesem Zweck sollen in drei Jahren ca. 170 laufende Meter Schriftgut durch Entsäuerung, Digitalisierung und Verfilmung konservatorisch gesichert werden.

In unmittelbarer Nähe des Archivs der DDR-Opposition wird sich ab kommenden Jahr auch einiges tun: Für die Entwicklung des Campus für Demokratie auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg sind 955.000 Euro aus den Mitteln des PMO-Vermögens vorgesehen. Zusätzlich werden 250.000 Euro eingesetzt, um am Roedeliusplatz, der sich direkt neben der Stasi-Zentrale befindet, Markierungen an zu bringen, die an die lange Repressionsgeschichte des Platzes erinnern sollen. Außerdem wurden 100.000 Euro bewilligt, um die von der Robert-Havemann-Gesellschaft aufgestellten Revolutions-Stelen zu sanieren, die seit dem 9. November 2010 in ganz Berlin Orte der Friedlichen Revolution markieren.

 

 

02.08.2018

Havemann-Gesellschaft beteiligt sich an Erstellung eines DDR-Opfer-Registers

Ein Forschungsverbund unter der Leitung des Historikers Prof. Jörg Barberowski von der Humboldt-Universität, soll künftig umfassend Formen, Ausmaß und Folgen politischer Repression in der SBZ und der DDR von 1945 bis 1990 analysieren und dokumentieren. Der Verbund wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 5,3 Millionen Euro gefördert.

Er soll untersuchen, wie viele Menschen in Ostdeutschland aus politischen Gründen inhaftiert, deportiert oder getötet wurden. Dabei sollen nicht nur die Namen und Daten der Verfolgten erfasst, sondern, soweit möglich, auch Biografien, Fotos, Schlüsseldokumente und Zeitzeugeninterviews gesammelt werden. In mehreren wissenschaftlichen Studien werden zudem die Gründe und Spätfolgen politischer Repression in der DDR erforscht. Die Daten sollen zudem allen Forschern, Wissenschaftlern und Interessierten als gesicherte Datengrundlage zur Verfügung gestellt werden. Ein Vorbild für die Veröffentlichung der Daten ist die Datenbank der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, in der die bis heute bekannten Namen aller Juden verzeichnet sind, die im Holocaust ermordet wurden.

Außer der Robert-Havemann-Gesellschaft und der Humboldt Universität zu Berlin gehören zu dem Forschungsverbund die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V., die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße, die Charité, die Europa-Universität Viadrina, die Universität Passau und das Stasi-Unterlagen-Archiv des BStU.

Zur weiteren Erforschung des DDR-Unrechts wurden 13 weitere Forschungsverbunde gegründet, die mit insgesamt 40 Millionen Euro gefördert werden. Eine Liste der anderen Projekte und Institutionen finden sie hier.

 

 

Wieder Mal bekommt das Bildarchiv der Robert-Havemann-Gesellschaft Zuwachs. Die Fotos des Journalisten Holger Kulick sind jetzt Teil des Archivs der DDR-Opposition. Als Redakteur für das Politimagazin „Kennzeichen D“ pendelte Kulick zwischen Ost und West und machte einzigartige Fotos des Lebens in der Mauerstadt.

So entstanden Aufnahmen von ostdeutschen Oppositionellen im Westberliner Exil oder faszinierende Mauerbilder vom Westteil der Stadt, aber auch teilweise illegal gefilmte Beiträge über die Ostberliner Umweltbibliothek oder die oppositionelle Künstlerszene im Prenzlauer Berg. Weitere Infos zum Fotografen und eine Auswahl seiner Bilder finden Sie in der Bestandsübersicht.

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Für das Projekt Mauerpauer wurden nicht nur Briefe und Postkarten versendet, sondern auch die merkwürdigsten Gegenstände.

Am 13. August 1985 startete ein leider fast vergessenes Stück deutsch-deutscher Geschichte. Für das Mail-Art-Projekt „Mauerpauer“ sollten Künstler aus West und Ost künstlerisch gestaltete Briefe und Gegenstände über die innerdeutsche Grenze an ein bestimmtes Berliner Postfach schicken.

Zum 25. Jahrestag des Mauerbaus wurden die eingesandten Projekte in einer Open-Air-Ausstellung am Potsdamerplatz der Öffentlichkeit präsentiert. Holger Kulick, einer der Ideengeber des Projekts „Mauerpauer“ und damaliger Anmieter des Postfaches, hat dem Archiv der DDR-Opposition jetzt rund 300 der kleinen Kunstwerke übergeben. 

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Erste Friedenswerkstatt am 27. Juni 1982 in der Ostberliner Erlöserkirche. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_WF_161

Zwischen 1982 und 1988 fanden jährlich in der Ostberliner Erlöserkirche Friedenswerkstätten von überregionaler Bedeutung statt. Dabei diskutierten Friedensgruppen aus der ganzen DDR gesamtgesellschaftliche Probleme, knüpften Kontakte und stellten ihre Arbeit vor. Am 27. Juni 1982 findet die erste Friedenswerkstatt, und dem Motto „Hände für den Frieden“, statt.

Werner Fischer, Mitglied der Initiative Frieden und Menschenrechte dokumentiert das Treffen. Seine Bilder sind im Archiv der DDR-Opposition archiviert. Zum Beitrag

26.06.2018

Archivierung und Digitalisierung der Fotos von Siegbert Schefke im Archiv der DDR-Opposition

Nicht erst seit seinen Aufnahmen vom 9. Oktober 1989 in Leipzig, gilt Siegbert Schefke als einer der Chronisten der DDR-Opposition. Als Mitglied der Berliner Umwelt-Bibliothek war Siegbert Schefke bei zahlreichen Aktionen der oppositionellen Szene dabei – immer mit der Kamera. Seine brisanten Bilder landeten nicht selten in der Westpresse.

So dokumentierte er beispielsweise auch das Klagetrommeln der DDR-Opposition gegen das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens, den Städtezerfall in Leipzig oder Greifswald, oder die Erstürmung der Berliner Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990. Von 1985 bis 1991 entstanden so rund 14.000 Negative von denen gerade in einem durch die Bundesstiftung Aufarbeitung finanzierten Projekt die besten ca. 3.000 Fotos ausgewählt werden, um sie dann zu digitalisieren und zu archivieren. 

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Konstituierende Sitzung des UFV am 3. Dezember 1989 in der Berliner Volksbühne. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Gisela Funke/RHG_FO_GZ_1337

21.06.2018

Bestand "Grauzone" mit Mitteln des i.d.a. - Dachverbands vollständig archiviert

Einer der momentan am häufigsten genutzten Bestände im Archiv der DDR-Opposition ist der Bestand „GrauZone“. Das Archiv GrauZone ist das einzige Archiv zur Frauenbewegung der DDR.

In persönlichen Unterlagen, den Überlieferungen verschiedenster Frauengruppen, sowie des Unabhängigen Frauen-Verbandes (UFV) dokumentiert es die Arbeit nichtstaatlicher Frauengruppen in der DDR. Der Bestand wurde im letzten halben Jahr mit Mitteln des i.d.a.-Dachverbands nach den neusten Archivierungsstandards erschlossen und archiviert. Zusätzlich wurden einige Schlüsseldokumente digitalisiert, die künftig über das Deutsche Digitale Frauenarchiv zu recherchieren sind.

Zum den online recherchierbaren Verzeichnungseinheiten des Bestands "Grauzone" geht es hier lang.

Robert Conrad auf dem Roten Platz in Moskau. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Thomas Frick/RHG_Fo_RoCon_6617

14.06.2018

Wegen eines gelochten Fahrscheins unter Spionageverdacht - Robert Conrad über seine Reise durch die Sowjetunion.

Im Frühjahr 1985 startet der junge Fotograf Robert Conrad zu einer abenteuerlichen Reise des FDJ-Reisebüros Jugendtourist von Ost-Berlin durch den Südkaukasus. Nach einigen Kurzausflügen abseits des Programms der Jugendorganisation, fassen Conrad und ein Freund den Beschluss sich von der Gruppe abzusetzen und alleine weiterzureisen.

Dumm war nur, dass er noch am selben Abend von der Polizei erwischt wurde. Von der Reise, seinen Erlebnissen mit den sowjetischen Behörden und welches Nachspiel es in der DDR für Conrad gab, berichtet er in unserer Rubrik Aus dem Archiv.

© Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon

02.06.2018

"Immer gegen den Strom" - Gegendarstellung des DDR-Bürgerrechtlers Siegmar Faust zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen hat sich in der letzten Woche wegen antidemokratischer und Holocaust relativierender Äußerungen von ihrem Zeitzeugen und ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Siegmar Faust getrennt. Dieser äußert sich nun in einer Gegendarstellung zu den Vorwürfen, die wir hier zusammen mit den relevanten Pressebeiträgen dokumentieren.

Gegendarstellung von Siegmar Faust zum Artikel "Immer gegen den Strom" in der Berliner Zeitung vom 30. Mai 2018.

Artikel "Immer gegen den Strom", Berliner Zeitung vom 30. Mai 2018, von Markus Decker.

Stellungnahme der Gedenkstätte Hohenschönhausen vom 30. Mai 2018.

Artikel "Holocaust-Äußerungen. Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen trennt sich von Siegmar Faust", Berliner Zeitung vom 31. Mai 2018, von Markus Decker.

Artikel "Menschenrechtszentrum Cottbus. Unerträglich was die Justiz da macht", Lausitzer Rundschau vom 4. Juni 2018, von Simone Wendler.

Artikel "DDR-Oppositioneller: Ich lasse mir den Mund nicht verbieten", The European vom 22.12.2017, von Siegmar Faust.

© Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Markowsky/RHG_Fo_BeMa_317

Neben Wolf Biermann und Stephan Krawczyk fällt vielen bei den Worten DDR, Liedermacher und Ausbürgerung sicherlich der Name Gerulf Pannach ein. Zwanzig Jahre ist es her, dass Gerulf Pannach gestorben ist. Wir blicken mit Hilfe einiger Dokumente und Bilder aus unserem Archiv auf sein bewegtes Leben zurück. Zum Beitrag

Wie bei einem Puzzle setzt sich aus den im Archiv der DDR-Opposition gesammelten Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen oft eine größere Erzählung zusammen. Anhand dreier Bilderserien erzählen wir die Geschichte einer alten Gasanstalt, die Mitte der 1980er Jahre dem sozialistischen Städtebau weichen musste. Zum Beitrag

©Robert-Havemann-Gesellschaft / Rainer Ahrendt
©Robert-Havemann-Gesellschaft / Rainer Ahrendt

Das Archiv der DDR-Opposition bekommt Zuwachs: Die Robert-Havemann-Gesellschaft übernimmt einen Großteil der Bilder vom Berliner Architektur-Fotografen Rainer Ahrend.

Als studierter Architekt zeigt Ahrendt ein besonderes Gespür für Formen und die Ästhetik banaler Zweckbauten, die er auf seinen Bildern wie Grafiken arrangiert. Neben einzigartigen Architekturaufnahmen zählen zum Wirken Rainer Ahrendts auch zahlreich Bilder ostdeutscher Alltagskultur, sowie Aufnahmen staatlicher und nicht-staatlicher Demonstrationen vom Ende der 1980er Jahre. Mit den beeindruckenden Bildern Rainer Ahrendts wandert ein weiterer Teil deutsch-deutscher Geschichte unter das Dach der Robert-Havemann-Gesellschaft.

Hier geht's zu ausgewählten Bildern und zur Bestandsbeschreibung

Plötzlich gerät das Leben aus den Fugen: Es tauchen Gerüchte auf, man solle für die Stasi spitzeln, die Arbeitsstelle geht verloren, die Fahrerlaubnis wird eingezogen, in der Wohnung sind die Handtücher unerklärlicherweise Tag für Tag anders geordnet. Dass das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hinter all dem steckt, das ahnen die wenigsten Betroffenen unmittelbar.

Die als „Zersetzung“ bezeichnete Methode der Staatssicherheit zur ‚geräuschlosen’ Ausschaltung derjenigen, die sich gegen das SED-Regime engagierten, beschreibt Sandra Pingel-Schliemann erstmals umfassend in ihrer Promotion mit dem Titel „Zersetzen – Strategie einer Diktatur“. Das Buch erschien 2004 in der Schriftenreihe der Robert-Havemann-Gesellschaft und ist nach drei Auflagen restlos vergriffen. Gut also, dass die Autorin nun zusammen mit der Denkstätte Teehaus Trebbow eine Ausstellung mit dem gleichen Thema erarbeitet hat.  

Ähnlich wie das Buch zeigt die Ausstellung auf, was sich hinter dieser Repressionsstrategie verbarg, welche Ziele und Folgen sie hatte und wie Menschen konkret betroffen waren. Nicht wenige Opfer leiden noch heute unter den Zersetzungsmaßnahmen der Staatssicherheit, leben isoliert und leiden unter Angstzuständen. Hoffnung auf eine rechtliche Rehabilitation gibt es für sie wenig, da direkte Anweisungen zu Anwendung von Zersetzungsmethoden nur selten in den Akten zu finden sind und das regelmäßige Zerstechen der Reifen, oder eine konstante nächtliche Lärmbelästigung juristisch nur schwer zu belangen sind. Umso wichtiger also dieses besonders perfide Repressionswerkzeug der Staatssicherheit und dessen Opfer durch eine Ausstellung in den Fokus öffentlicher Debatten zu heben.

Anhand von Zeitzeugenaussagen, Dokumenten und Recherchen der Politikwissenschaftlerin Dr. Sandra Pingel-Schliemann wird auf zehn Schautafeln der skrupellose Umgang des Staatsapparates mit den persönlichen Lebensschicksalen der ins Visier geratenen tatsächlichen und vermeintlichen Oppositionellen offenbar. Die Ausstellung wird vom 22. März  bis 6. April jeweils Montag bis Freitag von 8.00 bis 17.00 Uhr in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, In den Ministergärten 3 in Berlin zu sehen sein. An Feiertagen bleibt die Ausstellung geschlossen. Der Eintritt ist frei. Danach geht die Ausstellung auf Wanderschaft und macht zuerst im Teehaus in Trebbow Station.

Das Buch "Zersetzen - Strategie einer Diktatur" in unserem Online-Shop.

Flyer zur Ausstellungseröffnung

Ausstellungsplakat

20.03.2018

Abgeordnetenhaus fasst Beschluss zur Entwicklung der Stasi-Zentrale zum Campus für Demokratie

Es tut sich was in Sachen Campus für Demokratie. Das Abgeordnetenhaus von Berlin beschließt Donnerstag über einen Antrag zur Entwicklung des Geländes der ehemaligen Stasizentrale zu einem Ort der Erinnerung, der historischen Forschung und der politischen Bildung.

 

Laut der Beschlussempfehlung soll bis zum 31. Mai 2018 ein erster Bericht mit einem Vorschlag für das Standortmanagement und dessen Umsetzung vorgelegt werden. Wir sind gespannt. Nachfolgend finden Sie den Wortlaut der Beschlussempfehlung 

 

Antrag

der Fraktion der SPD, der Fraktion der CDU, der Fraktion Die Linke, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion der FDP

„Campus für Demokratie“ in Lichtenberg auf den Weg bringen

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Das Gelände der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit soll entsprechend dem Vorschlag des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR zu einem Ort der Erinnerung, des Gedenkens, der historischen Forschung und der politischen Bildung werden.

Der Senat wird aufgefordert, zu diesem Zweck ein Standortmanagement einzurichten, das die Interessen der verschiedenen ansässigen Institutionen und der Eigentümer der Immobilien auf dem Campus bündelt, ein gemeinsames Konzept erarbeitet und die Umsetzung vorbereitet. Daneben soll die Werbung für den Ort und die Kennzeichnung der verschiedenen Gebäude verbessert werden.

Im Umfeld des Geländes soll an Haltestellen und Bahnhöfen auf das Gelände angemessen hingewiesen werden. In diesem Zuge soll geprüft werden, ob der Name des Bahnhofs Magdalenenstraße mit einer Unterzeile „Campus für Demokratie“ ergänzt werden kann.

Insbesondere für die im Eigentum des Landes Berlin befindlichen Flächen und Gebäude sollen durch das Standortmanagement die notwendigen Baumaßnahmen zur Umsetzung des Campus-Projektes vorbereitet werden.

Ein erster Bericht mit einem Vorschlag für das Standortmanagement und dessen Umsetzung soll zum 31. Mai 2018 vorgelegt werden.

Begründung:

Berlin hat mit der ehemaligen Stasizentrale und dem künftigen Campus für Demokratie einen herausragenden historischen Ort, der dringend entwickelt werden muss. Der Gebäudekomplex in der Magdalenenstraße ist gleichermaßen ein Zeugnis der Diktatur wie ihrer Überwindung. Bis 1989 Sitz des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, wurde das Gelände am 15. Januar 1990 gestürmt und anschließend das Bürgerkomitee 15. Januar gegründet. Im Sommer 1990 erkämpften dort Aktivisten die Öffnung und Zugänglichkeit der Stasiakten, die später im Stasiunterlagengesetz auch rechtlich fixiert wurde.

Auf dem Gelände haben das Archiv des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BstU), das Stasimuseum, mehrere Opferverbände und seit jüngstem die Robert-Havemann-Gesellschaft mit dem Archiv der DDR-Opposition ihren Sitz. Im Hof befindet sich die Ausstellung zur friedlichen Revolution, die zuvor auf dem Alexanderplatz zu sehen war.

Die Förderung durch die Bundesregierung und das Land Berlin hat dazu beigetragen, dass die vorgenannten Institutionen auf dem Campus Erinnerungs- und Forschungsarbeit leisten können. Trotzdem ist der Gebäudekomplex insgesamt wenig attraktiv. Aufgrund einer zersplitterten Eigentümerstruktur auf dem Campus stehen diverse Gebäude leer und sind in schlechtem Zustand.

Für ein übergreifendes Konzept ist die Erkundung der verschiedenen Interessen aller Eigentümer (Bund, Berlin, mehrere Private) nötig und im zweiten Schritt die Erarbeitung eines tragfähigen Konzeptes. Die Nutzung als Atelierstandort soll in das Campus-Konzept integriert werden, wenn dafür keine Ersatzstandorte gefunden werden. Der Campus liegt im Stadtumbaugebiet Frankfurter Allee Nord. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat im August 2017 im Rahmen einer Standortkonferenz die ersten Schritte unternommen, die verschiedenen Eigentümer an einen Tisch zu bringen. Dieser Prozess muss weiter geführt werden und in einem gemeinsamen Konzept münden. Neben der städtebaulichen Kompetenz ist dafür inhaltliche Expertise erforderlich, die z.B. der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur beisteuern könnte.

Berlin, d. 13. März 2018

 

Beschlussempfehlung als pdf

20.03.2018

Ausstellung "Jugendopposition in der DDR" im Erinnerungsort Stasiuntersuchungshaftanstalt in Neustrelitz zu besichtigen

Unsere Plakatausstellung „Jugendopposition in der DDR“ ist ab dem 29. März im Erinnerungsort Stasiuntersuchungshaftanstalt Töpferstraße zu sehen.

 

Seit Übernahme des ehemaligen Gerichtsgefängnisses durch das MfS im Jahr 1953 befand sich in dem Gebäude in der Töpferstraße in Neustrelitz eine Haftanstalt der Staatssicherheit. Bis 1986 wurden zahlreiche politische Häftlinge wegen Republikflucht oder „staatsfeindliche Hetze“ in der Töpferstraße Isolation und psychologischen Terror ausgesetzt. Heute kümmert sich ein ehrenamtlich betriebener Verein um den Erhalt und die Betreuung des Erinnerungsorts. Ab dem 29. März führt der Verein wieder regelmäßig durch die Räume des Erinnerungsorts.

Weitere Infos zum Erinnerungsort und zu Terminen für die Führungen finden Sie auf der Seite des Vereins Stasi-Haftanstalt Töpferstraße e.V.

Informationen zur Ausstellung "Jugendopposition in der DDR" finden Sie hier.

 

 

©Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert
Dieter Dombrowski, Bundesvorsitzender der UOKG, würdigt Klaus Gronau. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

13.03.2018

Klaus Gronau, Zeitzeuge des 17. Juni 1953 verstorben

Heute wurde Klaus Gronau auf dem Ehrenfeld „17. Juni 1953“ des Urnenfriedhofs Seestraße beigesetzt. Wir gedenken Klaus Gronau als unermüdlichen Streiter für die Erinnerung an den Volksaufstand von 1953. Als 16 jähriger Auszubildender erlebte er wie sowjetische Panzer den Volksaufstand blutig niederschlugen. Nach seiner Beteiligung am 17. Juni 1953 fasst Gronau nicht wieder Fuß in der DDR und kehrte Ost-Berlin 1957 den Rücken.

Seit vielen Jahren gab Klaus Gronau sein Wissen an nachkommende Generation weiter und stellte sich bei zahlreichen Veranstaltungen als Zeitzeuge zur Verfügung. 2010 wurde ihm der Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Klaus Gronau verstarb am 9. Februar 2018.

Für das Zeitzeugenprojekt "Gedächtnis der Nation" berichtete er im Jahr 2013 eindrücklich von seinen Erlebnissen am 17. Juni 1953. 

 

 

 

09.03.2018

Landratsamt in Schleiz zeigt Ausstellung zum Frauenwiderstand in der DDR

Anlässlich des Weltfrauentages wurde gestern unsere Ausstellung „Wir müssen schreien sonst hört man uns nicht!“ zum Frauenwiderstand in der DDR der 80er Jahre eröffnet. Sie ist ab sofort und noch bis zum 22. März im Foyer des Landratsamts in Schleiz zu sehen.

Eine ergänzende Lesung des Buchs „Auf – Bruch – die Thüringer Frauenbewegung in der Friedlichen Revolution 1989“ findet am Freitag um 18 Uhr in der Stadtbibliothek Schleiz statt.

Anfang der 1980er Jahre gründen Frauen im Osten Deutschlands Oppositionsgruppen, die sich DDR-weit vernetzen und mit Protestaktionen die Öffentlichkeit suchen. Sie stellen sich dem SED-Regime entgegen und wehren sich gegen die zunehmende Militarisierung aller Lebensbereiche. Die Ausstellung stellt diese mutigen Frauen in den Mittelpunkt und würdigt ihre Verdienste um die Friedliche Revolution. Die 19 Ausstellungsplakate können über unsere Website bezogen werden.

Am 8. März berichtete die Ostthüringer-Zeitung über die Ausstellungseröffnung.

 

 

Erste bei Rainer Eppelmann gefundene Wanze mit der Seriennummer 14. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Bernd Weu

Am 26. Und 28. Januar 1989 findet Pfarrer Rainer Eppelmann in seiner Wohnung Wanzen der Staatssicherheit. Beim Auffinden der Abhörtechnik behilflich: ein inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit. Der Fotograf Bernd Weu dokumentierte den Fund. Ein Großteil seiner Bilder befindet sich seit Februar diesen Jahres im Archiv der DDR-Opposition. Zum Beitrag

Geisterbahnhof Unter den Linden, 12. Februar 1990. ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad, RHG_Fo_RoCon_2231

Das Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft beherbergt nicht nur Dokumente und Akten, sondern auch ein umfangreiches Bildarchiv mit rund 350.000 Fotos. Künftig wollen wir hier mehr von unseren Schätzen und Neuübernahmen, sowie unserer Arbeit im Archiv der DDR-Opposition berichten. Den Anfang machen wir mit dem Bestand des Fotografen Robert Conrad. Zum Beitrag

Porträtfoto von Arno Esch. Quelle: Verband Ehemaliger Rostocker Studenten, VERS
Studentenausweis der Universität Rostock von Arno Esch. Quelle: Universitätsarchiv Rostock
Fast 40 Jahre zu spät: Rehabilitierung Esch's vom 19. Juli 1990. Quelle: Verband Ehemaliger Rostocker Studenten, VERS
Deutsche Übersetzung der Rehabilitierung von Arno Esch. Quelle: Verband Ehemaliger Rostocker Studenten, VERS

Gestern wäre der liberaldemokratische Rostocker Student Arno Esch 90 Jahre alt geworden. Als Mitglied des Landesvorstands der LDP Mecklenburg kritisierte er noch vor Gründung der DDR die undemokratische Politik der SED und der sowjetischen Militärverwaltung.Kurz vor seinem ersten juristischen Staatsexamen wird Esch zusammen mit anderen zumeist liberalen Studenten am 18. Oktober 1949 von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Esch wird am 24. Juli 1951 hingerichtet.


Arno Esch wird am 6. Februar 1928 in Memel, dem heutigen Klaipeėda (Litauen), geboren. Am 24. Juni 1951 wird er in Moskau hingerichtet.

Dazwischen liegt ein, für seine Generation typisches, bewegtes Leben. Mit knapp 16 Jahren wird Arno Esch zum Kriegsdienst als Marineflakhelfer eingezogen.

Seine Familien flieht vor der herannahenden Front ins mecklenburgische Schönberg und lässt sich dort nach Kriegsende nieder. Die durch den Kriegsdienst unterbrochene Schule setzt er im nahegelegenen Grevesmühlen fort, wo er im Frühjahr 1946 das Abitur ablegt. Zum Sommersemester 1946 beginnt er an der Universität Rostock ein Studium der Rechtswissenschaften. Er strebt eine wissenschaftliche Laufbahn an, gilt als ungewöhnlich begabt und sehr fleißig.

Arno Esch ist, geprägt durch seine Erlebnisse während des Krieges, ein überzeugter Pazifist und Verfechter liberaler Ideen. Im Juni 1946 tritt er in die Liberal-Demokratische Partei (LDP) ein und hilft beim Aufbau der Partei in Mecklenburg. An der Universität Rostock gründet er die Hochschulgruppe der LDP und gewinnt rasch das Vertrauen seiner Kommilitonen. Im Herbst 1947 wird er zum Landesjugendreferenten der LDP und 1948 in den Zentralvorstand der LDP gewählt.

Nach seiner liberalen Überzeugung ist die individuelle Freiheit, für ihn die Basis einer menschlichen Gesellschaft. Esch tritt für einen demokratischen Rechtsstaat sowie für eine legale Kriegsdienstverweigerung ein. Der klare Denker und scharfzüngige Diskutant veröffentlicht zahlreiche politische Artikel in der Norddeutschen Zeitung. Darin setzt er sich vehement für Bürgerrechte, für die Gewaltenteilung und für die Abschaffung der Todesstrafe ein. In einem Artikel vom 5. Mai 1949 gibt er seiner Überzeugung Ausdruck, dass: „ ... die neue demokratische Gemeinschaft der Völker [...] die Todesstrafe als Barbarei verwerfen“ wird.

Als Mitglied der ersten Stunde bringt er seine liberalen Grundsätze im zunächst überparteilichen und überkonfessionell scheinenden Jugendverband Freie Deutsche Jugend (FDJ) ein. Darüber hinaus engagiert sich Arno Esch für die Bildung freier Jugendorganisationen neben der FDJ.

In vielen öffentlichen Auftritten wendet er sich gegen die Vormachtstellung der SED und lehnt eine Rolle der LDP als gleichgeschaltete Blockpartei der SED ab. Mit diesen Ideen und Vorstellungen steht Arno Esch im Gegensatz zur Politik der SED und der Besatzungsmacht.

In der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1949 wird Arno Esch zusammen mit 13 weiteren jungen LDP-Mitgliedern aus Mecklenburg von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Das sowjetische Militärtribunal in Schwerin klagt ihn und weitere junge Mitglieder der LDP wegen „konterrevolutionärer Aktivitäten“, „Spionage“, „antisowjetischer Propaganda“ und „illegaler Gruppenbildung“ an.

Am 20. Juli 1950 wird Arno Esch zum Tode verurteilt. Nachdem das Urteil am 26. Mai 1951 vom Militärtribunal des Wehrkreises Moskau bestätigt wurde, wird Arno Esch am 24. Juni 1951 in Moskau hingerichtet. Er ist 23 Jahre alt.

Das Schicksal Arno Eschs und seiner liberalen Mitstreiter wird in der DDR todgeschwiegen. Nicht einmal seine Mutter erfährt etwas über den Verbleib ihres Sohnes. 1961 teilt das sowjetische Rote Kreuz dem Suchdienst des deutschen Roten Kreuzes lediglich mit, das Arno Esch am 27. Juli 1951 in der Sowjetunion „verstorben“ sei.

Am 30. Mai 1991 wird Arno Esch durch den Obersten Gerichtshof der Sowjetunion vollständig rehabilitiert. In der Eingangshalle des Arno-Esch-Hörsaalgebäudes der Universität Rostock erinnert seitdem eine Gedenktafel an Arno Esch und in Schönberg trägt eine Straße seinen Namen.

Peter Schicketanz während des Bausoldatenkongresses vom 3. bis 5. September 2004 in Potsdam ©Robert-Havemann-Gesellschaft/Rolf Walther

Anfang der Woche erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod von Peter Schicketanz. Der Theologe starb nach kurzer Krankheit bereits am 17. Januar 2018. Mit Peter Schicketanz verlässt uns einer der wichtigsten Unterstützer der Wehrdienstverweigerer in der DDR.

Obwohl er nie den Dienst an der Waffe leisten musste stand er Bausoldaten und Totalverweigerern gleichermaßen zur Seite und war federführend an der Verfassung der Handreichung der evangelischen Kirchen zur Seelsorge an Wehrpflichtigen beteiligt. Auch nach der Friedlichen Revolution wird Schicketanz nicht müde sich für die Rechte von Kriegsdienstverweigerern einzusetzen und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Aufarbeitung und Dokumentation von deren Geschichte. 2011 verfasste Schicketanz zusammen mit seinem ebenfalls bereits verstorbenen Freund Bernd Eisenfeld das Standardwerk zur Geschichte der Bausoldaten in der DDR.

In einem Beitrag für die Zeitschrift "Horch und Guck" aus dem Jahr 2004 würdigt Gerold Hildebrand die Lebensleistung Peter Schicketanz':

 

Den Originaltext inklusive der Anmerkungen finden Sie auf der Internetseite von "Horch und Guck"

Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin hat am 24. November 2017 einstimmig beschlossen, das Archiv der DDR-Opposition in die Liste des national wertvollen Kulturguts aufzunehmen. 

Den Status vergeben die Länder seit 1955 um besonders wichtige Güter zu schützen und sie für die Zukunft zu bewahren. Damit würdigte das Land Berlin das Archiv der DDR-Opposition und seine Sammlungen zur Opposition und Bürgerbewegung in der DDR.

Pressemitteilung im pdf-Format
https://www.havemann-gesellschaft.de/fileadmin/robert-havemann-gesellschaft/aktuelles/presse/PM_Nationales_Kulturgut.pdf 

Stoffaufnäher "Schwerter zu Pflugscharen" mit "Micha 4", hergestellt 1985/86 in Berlin.
Die Losung „Schwerter zu Pflugscharen“ taucht zunächst vor allem bei kirchlichen Friedensveranstaltungen auf. Ab 1981 gelangt sie als Aufnäher in die breite Öffentlichkeit und wird zum Protestsymbol. Jugendlicher mit Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen" auf dem Parker. © Peter Wensierski

12.01.2018

Richtigstellung Harald Bretschneider zu Veröffentlichungen am 10. und 11. Januar 2018 unter der Überschrift "Der Schöpfer der Grafik Schwerter zu Pflugscharen ist tot".

Die Veröffentlichung "Der Schöpfer der Grafik 'Schwerter zu Pflugscharen' ist tot spricht von dem Grafiker Herbert Sander als dem "Erfinder des Emblems 'Schwerter zu Pflugscharen'. Das ist schlicht unkorrekt und falsch.

Die zunehmende Militarisierung der gesamten Gesellschaft und die politischen Zuspitzungen im
Ost-West-Konflikt ängstigte Anfang der 1980er Jahre viele Menschen. Das angehäufte Vernichtungspotential in aller Welt, aber auch in der DDR beschäftigte besonders Jugendliche. Sie empfanden den lautstark verkündeten, außenpolitisch vermarkteten Friedenswillen der DDR zunehmend als unerträgliche Diskrepanz zur fortschreitenden Militarisierung, besonders in der Wirtschaft und Bildung, aber auch in allen anderen Lebensbereichen in der DDR. Sie ahnten, dass sie die Soldaten der Zukunft sind, die im Ernstfall mit ihrem Leben bezahlen. Sie setzten sich existentiell ernsthafter mit der Entscheidung in Wehrdienstfragen auseinander. Sie suchten Argumente und Zeichen, mit denen sie sich identifizieren konnten. Sie widersetzten sich vielfach dem Druck der Lehrer, die mit beruflichen Nachteilen drohten, wenn Schüler und Lehrlinge sich weder zur Offizierslaufbahn, noch als Zeitsoldaten werben ließen. Sie begannen sich stärker mit Friedensfragen zu beschäftigen.

In dieser Situation wurden wir Landesjugendpfarrer, aber auch viele andere Jugendmitarbeiter in den Landeskirchen um Rat und Entscheidungshilfe in Fragen des Wehrdienstes gebeten. Gleichzeitig hatte der Europäische Christliche Jugendrat (EYCE) einen Europäischen Abrüstungstag angeregt, den die jugendlichen Christen in ihrem Land selbst gestalten sollten.

Als einer, der am 13. Februar 1945 aus einem brennenden zerbombten Haus von seiner Mutter herausgezogen worden war, wusste ich plötzlich, dass meine damalige Errettung Verpflichtung war, für diese Aktivität Verantwortung zu übernehmen.

Gott schenkte in Zusammenarbeit mit meinen Freunden und in Abstimmung mit den Landesjugendpfarrern, der Kommission Kirchlicher Jugendarbeit und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Jugend "herrliche Ideen und Impulse", die ich umsetzte. So entstand die Friedensdekade der Kirchen. Für zehn Tage bis zum Bußtag (deswegen Friedensdekade) entstand Material für Jugend und Gemeindeabende wie für Friedensgottesdienste.

Die erste Idee führt mich zu der Überlegung, dass Abrüstung und Friedensarbeit immer eigenes Umdenken, neues Denken und Buße benötigen. Es geht nicht an, dass die Schuld nur bei den anderen gesucht wird. Deswegen verband ich die Friedensdekade mit dem Bußtag.

Laut Honecker von 18. Juli 1953 war die kirchliche Jugendarbeit, die Junge Gemeinde, keine Jugendorganisation, sondern eine Lebensäußerung der Kirche. "Die jungen Menschen in den Jungen Gemeinden hatten zu beten, Bibel zu lesen und nicht zu baden." hatte er damals formuliert. Die Besinnung auf die Grundlage des Glaubens, wie das Wissen um die Bedrängnisse der JG durch den Staat, führten mich zu dem Bibelwort von Micha 4,3 und Jesaja 2,4. "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Spieße zu Sicheln machen und nicht mehr lernen Krieg zu führen." Es war für mich nicht nur ein prophetisches Wort. Vielmehr wagte der König Hiskia angesichts der Belagerung Jerusalem durch den mächtigen assyrischen König Sanherib um 701 v. Chr. dem Rat seiner Propheten mehr zu vertrauen, als den militärischen Beratern. Er tat Buße und bat mit den Propheten um Gottes Hilfe. Und das Wunder geschah! Sanherib zog ab. Die Pest wütete in seinem Heer und die Thronstreitigkeiten in Ninive zwangen ihn zum Rückzug.

Als Landesjugendpfarrer wusste ich, dass Jugendliche Zeichen brauchen, um sich zu artikulieren und erkennbar zur sein. Im Gespräch mit meinen Freunden, dem Begründer des Friedensseminars Königswalde, Hansjörg Weigel, und des Friedensseminars Meißen, Rudolf Albrecht, erinnerte ich mich an die Plastik des russischen Bildhauers Jewgenij Wutschetitsch. Ein kräftiger Schmied schmiedet ein Schwert in eine Pflugschar um. Darunter steht: "Wir, die Sowjetunion, werden die Schwerter zu Pflugscharen umschmieden". Eine Kopie dieser Plastik schenkte Chruschtschow 1959 den Vereinten Nationen. Sie steht in Moskau und in New York, also in Ost und in West, ist folglich nicht einseitig. Ihr Schöpfer ist ein Russe. Er hat ein biblisches Wort abgebildet. Dagegen kann nicht einmal die DDR etwas haben, dachte ich und machte sie zur Abbildung auf dem Lesezeichen zwischen den Worten "Frieden schaffen ohne Waffen und Schwerter zu Pflugscharen" Meinen Entwurf des Lesezeichens setzte meine Grafikerin, Ingeborg Geißler, Dresden, in eine Reinzeichnung um, nach der ich die Lesezeichen in Herrnhut auf Vlies drucken ließ, den Vliesdruck zählte als Textiloberflächenveredlung und bedurfte keiner Druckgenehmigung.

Nach Vorstellung des Materials in der Landeskirche wie im Bund der Ev. Kirchen in der DDR wandte ich mich an Manfred Stolpe, den Sekretär des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Nach eineinhalb Stunde Vorstellung und Gespräch sagte er: "Hier hast Du meine Unterschrift. Mach los. Es wird herausgegeben vom Sekretariat des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR in Zusammenarbeit mit den Landesjugendpfarrern. Nur für innerkirchlichen Dienstgebrauch! USB 709/80".

Die gedruckten Lesezeichen und die Materialmappen mit den Entwürfen zu Jugend- und Gemeindeabenden und Gottesdiensten wurden dann von mir über die Landesjugendpfarrer in der Jugendarbeit der Landeskirchen in der DDR verteilt.

Anfänglich wurde das gewählte Symbol von manchen belächelt. Einer der Landesjugendpfarrer erwartete sogar eine Ablehnung durch die Jugendlichen. "Es lockt keinen hinter dem Ofen vor. Es ist viel zu sowjetisch."

Aber die Jugendlichen legten das Lesezeichen in ihre Schulbücher. Manchmal brachten Schüler und Lehrer die Bibel mit in die Schule und diskutierten über das Prophetische Wort. Einige Jugendliche schnitten das Zeichen aus, nähten es sich auf ihre Parkas und trugen es in die Öffentlichkeit.

Deswegen habe ich mit Landesjugendpfarrer Manfred Domrös abgestimmt, für die 2. Friedensdekade 1981 nicht nur 100 000 Lesezeichen, sondern auch 100 000 Aufnäher drucken zu lassen. Der Grafiker Herbert Sander aus Berlin nahm die graphische Umsetzung des abgebildeten Schmiedes von Frau Ingeborg Geißler und meine Formulierung "Schwerter zu Pflugscharen" auf. Er ordnete die Schrift im Kreis an und gestaltete den Aufnäher in den Farben der Trikolore.

Die Friedensdekade mit dem Symbol "Schwerter zu Pflugscharen" hat die Kirchliche Jugendarbeit über die Grenzen hinaus weltweit bekannt werden lassen. Diese Aktion ist aus der Friedensdekade herausgewachsen und hat zugleich eine sehr große politische Aufmerksamkeit gefunden.

Besonders müssen die unzähligen Jugendlichen gewürdigt werden, die in den siebziger und achtziger Jahren gegen die Militarisierung in aller Welt protestiert und sich verweigert haben. Für sie waren das Lesezeichen und dann der Aufnäher ein Zeichen christlicher Hoffnung und Sehnsucht. Sie haben damit dem biblischen Friedenszeugnis Hände und Füße gegeben.

Allerdings hatte die "herrliche Idee" bald schlimme Folgen. 1980 nahmen die Politiker Anstoß an der Friedensminute. Da der Bußtag immer auf Mittwoch fällt, und Mittwoch, 13.00 Uhr, die Sirenen im Landes gingen und die Sicherheitssysteme überprüft wurden, hatte ich für die Zeit zu Friedensgebeten im ganzen Land eingeladen und vorgeschlagen, angesichts der Gefährlichkeit der Situation, zu den Sirenen und den Friedensgebeten die Glocken einzuschalten. Dagegen wurde von den Politikern erheblich gekämpft. Zwischen November 1981 und 1982 sowie in den Folgejahren hatten vor allem Mittel- und Oberschüler, aber auch die Lehrlinge und Berufsschüler, wie die Studenten schwere nachteilige Folgen zu tragen, wenn sie die Aufnäher und Lesezeichen nicht von ihrer Kleidung entfernten.

Lehrer wie Polizisten argumentierten: Der undifferenzierte Pazifismus ist friedensfeindlich. Sie sind das Emblem des sozialen Friedensdienstes, der in der DDR verboten ist. Die Herstellung ist illegal. Es handelt sich um westlichen Import. Das Tragen ist verfassungsfeindlich. Es verunsichert die Offiziersbewerber und die länger Dienenden und ist damit Wehrkraftzersetzung. Es handelt sich um keine staatliche Aktivität und ist daher als "schulfremdes Material", laut Schulordnung verboten.

Jugendliche, die die Aufnäher nicht entfernten, wurden vom Schuldirektor so lange bearbeitet, bis sie sie abtrennten. Ansonsten wurden die Eltern einbestellt. Mitunter griffen die Direktoren selbst zur Schere. Bei Nichtentfernung wurden sie bestraft: mit Verbot die Schule oder den Betrieb zu betreten; mit Kündigung des Lehrvertrages; mit Nichtzulassung zum Abitur und mit Relegierung von der Oberschule oder vom Studium.

Erst nach der Revolution wurde der Grund für die Härte gegenüber den Aufnäherträgern bekannt. Der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, hatte eine Verordnung über "Maßnahmen zur Unterbindung des öffentlichen Tragens und des Verbreitens von Abzeichen, Aufnähern, Aufklebern, sonstigen Gegenständen, Symbolen und Texten mit pazifistischer Aussage" erlassen. Darin heißt es:

".. im Zusammenhang mit ... so genannten Friedensinitiativen der evangelischen Kirche werden besonders von auf oppositionellen Positionen stehenden oder politisch schwankenden und teilweise auch negativ-dekadenten Jugendlichen/Jungerwachsenen demonstrativ Abzeichen, textile Aufnäher u. ä. mit pazifistischer Aussage sichtbar an Bekleidungsgegenständen angebracht. Sie verfolgen das Ziel, sich mit der von reaktionären kirchlichen Kräften popularisierten Idee von einer sogenannten unabhängigen Friedensbewegung in der DDR zu solidarisieren und ihre oppositionelle und ablehnende Haltung, insbesondere zur sozialistischen Verteidigungspolitik, damit offen zum Ausdruck zu bringen. Zur wirksamen Unterbindung sind folgende Maßnahmen durchzuführen...."

Selbst diese Schikanen haben Jugendliche ertragen und haben damit das Friedenszeugnis Jesu vergegenwärtigt. Es hat sich wieder konkret bewahrheitet: Ein Bibelwort, nach dem besonders junge Menschen lebten, hat die Diktatur ins Wanken gebracht.

Diese durchlebte Gegendarstellung belegt, dass Herbert Sander keinesfalls der Schöpfer der Grafik und der Erfinder des Emblems "Schwerter zu Pflugscharen" ist, sondern dass er Ideen von Urhebern aufgegriffen und im Aufnäher zusammengesetzt hat, der durch die kirchliche Jugendarbeit entwickelt und verbreitet worden ist.

Harald Bretschneider
ehemaliger Landesjugendpfarrer
Oberlandeskirchenrat i.R.

 

Richtigstellung Harald Bretschneiders zur Urheberschaft der Grafik "Schwerter zu Pflugscharen" (pdf)

©Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Landesbeauftragte fordern weitere Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten

28 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung lagern noch immer rund 15.000 Säcke mit zerrissenen Akten im Stasiunterlagenarchiv. Die virtuelle Rekonstruktion dieser Dokumente lieferte seit 2007 weitere Erkenntnisse zur Arbeit der Staatssicherheit. Anfang des Jahres wurde die Wiederherstellung jedoch aus verschiedenen Gründen gestoppt. Die Beauftragten der Länder für die Stasiunterlagen und zur Aufarbeitung der SED-Diktatur fordern in einer gemeinsamen Presseerklärung die Rekonstruktion fortzusetzen.

Pressemitteilung (pdf)

 

Konferenz der Landesbeauftragten

für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur

Landesbeauftragte fordern weitere Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten

Die Konferenz der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemali-gen DDR, zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur haben sich in ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr nachdrücklich dafür ausgesprochen, die Erschließung der Stasi-Akten mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiter voranzubringen. Dazu gehört besonders auch die Rekonstruktion der Akten, die das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) 1989 und 1990 versuchte zu vernichten, um seine Machenschaften zu vertuschen.

Das zur Rekonstruktion dieser Akten eigens vom Fraunhofer-Institut entwickelte Verfahren sollte wei-ter genutzt und der noch zu langsame Scanner sollte technologisch optimiert werden. Die vom Bun-destag 2015 dafür beschlossenen Mittel von 2 Millionen Euro sind schnellstmöglich freizugeben.

Zur Aufarbeitung der Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit ist die technologisch gestützte Rekonstruktion der Akten wichtig. In den letzten Jahren sind damit wichtige Erkenntnisse über die Tätigkeit der Staatssicherheit u.a. in der Bundesrepublik, das Staatsdoping und über Personen des öffentlichen Lebens gewonnen worden. Dieser Weg sollte weiter beschritten werden.

 

 

Urheber: Stephan Röhl. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Nachruf auf den russischen Menschenrechtler und Memorial-Gründer Arsenij Borisowitsch Roginskij

Am 18. Dezember 2017 verstarb der Gründer der russischen Menschenrechtsgesellschaft „Memorial“, Arsenij Roginskij, nach langer Krankkheit in einem Krankenhaus in Israel. Die Historiker Bernd Florath & Ilko-Sascha Kowalczuk erinnern an den, in seinem Wirken, nächsten Verwandten der Robert-Havemann-Gesellschaft in Russland. 

Nachruf Arsenij Borisowitsch Roginskij (1946–2017) 
Beileidsbekundungen aus aller Welt

„Wahrnehmung und Bewertung der Arbeit der Treuhandanstalt“ - Studie der Ost-Beauftragten der Bundesregierung Iris Gleicke zur heutigen Bewertung der Treuhandanstalt

Anfang März 1990 gründet die DDR-Regierung die Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums. So soll eine gerechte Umverteilung des DDR-Volkseigentums gewährleisten. Viele Volkseigene Betriebe finden neue Eigentümer, nicht selten im Westen. Der Privatisierung oder dem Verkauf aber folgt immer wieder die Schließung der Betriebe. Viele Menschen verbinden ihr persönliches Schicksal mit der Arbeit der Treuhand und tatsächlich lief viel falsch
bei der Umgestaltung der DDR-Planwirtschaft in eine soziale Marktwirtschaft. Der emotional geführten Auseinandersetzung mit der Arbeit der Treuhand fehlt die wissenschaftliche Grundlage – stattdessen wird sie bestimmt durch Gefühle und Behauptungen. Eine neue Studie, die die Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Ost-Beauftragten der Bundesregierung erstellte, dokumentiert das erinnerungspolitische Klima zum Thema Treuhand und versucht ein Stimmungsbild zu zeichnen.


Ergebnis der Studie: Eine neue Debatte um die Arbeit der Treuhand ist zwingend erforderlich.

Opens external link in new windowLink zur Studie


Wolf Biermann und Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk im Gespräch anläßlich des 75. Geburtstages von W. Biermann 2011 © Frank Ebert/Robert-Havemann-Gesellschaft

Wolf Biermann, Laudatio anlässlich der Verleihung der „Goldenen Victoria“ des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger für sein Lebenswerk

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk würdigte am 6. November in Berlin bei der Preisverleihung der "Goldenen Victoria" Wolf Biermann als jemanden, der den Hass und die Abneigung, die ihm entgegenschlug produktiv verarbeiten konnte, um auf diese Weise zu einem der bedeutendsten deutsch-deutschen Künstler zu werden und der sich Zeit seines Lebens nicht scheute, politisch anzuecken und seine Meinung kundzutun.

 

Wolf Biermann

Laudatio anlässlich der Verleihung der „Goldenen Victoria“ des VDZ für sein Lebenswerk

Berlin, den 6. November 2017

Sehr geehrter Damen und Herren,

am 7. November 1917 fand als erstes folgenschweres Ereignis der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, des Ersten Weltkrieges, der bolschewistische Putsch in Petrograd statt, der zur kommunistischen Herrschaft in Russland, später dann in Osteuropa und Asien führte. Auch der Faschismus und Nationalsozialismus gedeihten auf diesen Weltkriegstrümmern. Kommunismus und Nationalsozialismus waren in der Weimarer Republik tödlich verfeindete Geschwister. Der Nationalsozialismus stellte dann alles bislang Gekannte mit neuem Weltkrieg und Shoa in den Schatten.

Wenn Sie heute das Lebenswerk von Wolf Biermann mit der Verleihung der goldenen Siegesgöttin ehren, so geht es nicht anders, als zu erinnern, was vor 100 Jahre begann. Denn Wolf Biermanns Leben ist eng mit diesem Jahrhundert des Totalitarismus verbunden.

Mir ist eine Aufgabe zugefallen, die etwas absurd anmutet: ich soll in wenigen Minuten das Lebenswerk eines Mannes würdigen, für das er selbst in seiner sprachgewaltigen Autobiographie „Warte nicht auf bessre Zeiten“ über 500 Buchseiten benötigte, ohne dass man auch nur ansatzweise den Eindruck haben könnte, Biermann hätte uns alles Wesentliche damit bereits mitgeteilt. Zu Biermanns Lebenswerk gehören nicht nur seine Schallplatten, Bücher oder Essays, nein, dazu gehören auch Inspiratoren wie Heinrich Heine, Bertolt Brecht oder Francois Villion, Freunde wie Katja und Robert Havemann, Arno Lustiger, Jurek Becker, Bärbel Bohley oder Jürgen Fuchs, Kollegen wie Heiner Müller, Günter Grass, Lew Kopelew, Manes Sperber oder Christa Wolf, Familienmitglieder, Frauen und Kinder, Feinde und Neider, ein pralles Leben über ein ganzes Leben hinweg. Ja, „der Biermann“ gehört sich schon längst nicht mehr allein, er ist kulturelles Gemeingut.

Er benötigt zu Lebzeiten auch keine Ehrungen mehr. Aber sie können ihm auch nichts mehr anhaben, wie noch 1965, als er in einer Ballade die SED-Führer anblaffte: „Wenn ihr mich wirklich schaffen wollt/Ihr Herren hoch da droben/Dann müsst ihr mich ganz öffentlich/Nur loben loben loben/Ihr seid im Volk ja so beliebt/Ein Kuss von Eurem Munde/Macht den Geküssten todeskrank – so küsst mich doch, ihr Hunde!“.

Ehrungen verfolgen den Sinn, auch diejenigen mit ins Rampenlicht zu rücken, die huldvoll ehren. Aus der Ferne ist man zuweilen irritiert – nämlich wenn nicht auseinandergehalten werden kann, wer ehrt und wer geehrt wird, was aber oft egal ist, weil das Spiel mit umgekehrten Rollen Tage später andernorts erneut aufgeführt wird. Im Fernsehen wird das zuweilen auch noch stundenlang übertragen und niemand fragt, warum das gegenseitige Abfeiern einer ohnehin ständig im selbstgebastelten Rampenlicht stehenden Gesellschaft übertragen wird.

Und dennoch - es gibt eine Konstante in Biermanns Leben, die es rechtfertigt, ihn immer und immer wieder ins Rampenlicht zu holen. Heinrich Heine umschrieb das so:

„Aber wir verstehen uns bass,
Wir Germanen auf den Hass.
Aus Gemütes Tiefen quillt er,
Deutscher Hass! Doch riesig schwillt er,
Und mit seinem Gifte füllt er
Schier das Heidelberger Fass.“

Ja, in Wolf Biermanns Leben gibt es diese schmerzvolle Konstante, immer und immer wieder: Hass!

Geboren 1936, nahm ihm der Hass des Nationalsozialismus nicht nur seinen Vater in Ausschwitz, sondern noch mindestens 16 weitere Familienangehörige. Der jüdische Kommunist und ermordete Widerstandskämpfer Dagobert Biermann blieb des Sohnes Richtschnur bis heute. Wolf Biermann schreibt: „Dieser eine Grundkummer ist mein Schreien (...) mein Schweigen.“

Die Nazi-Herrschaft fiel, Wolf Biermann wurde befreit, der Hass gegen Biographien wie Biermanns blieb in Deutschland vital, in Ost wie West. Wolf Biermann ging 1953 sechzehnjährig ins kommunistische Paradies, für einen Jungen wie ihn keine Frage – und für seine Mutter Emma noch viel weniger. Noch dem Mauerbau konnte er Positives abgewinnen. Dass dieses Bauwerk eine Mauer des Hasses und Todes war, sah Biermann bald. Er kam nun selbst ins Räderwerk, er, der Kommunist von Nebenan gegen die Genossen Verräter, die seinen Vater ein zweites Mal umbrachten. In Wellen rollte nun der geballte Hass immer wieder ganz persönlich über ihn hinweg: 1965, als die SED ihn verbot, 1968, als die Panzer jede Hoffnung auf einen demokratischen Sozialismus zermalmten, oder 1976, als die SED ihn aus dem Arbeiterparadies rauschmiss. Sie hassten ihn, weil er ihnen einen Spiegel entgegenhielt: „Sie haben im Schädel sowohl Dreck als auch Stroh/Sie sind so dumm – und sie tun auch nur so.“ 1989 sang er gegen Krenz und Konsorten an – und der Hass von Millionen war ihm wieder gewiss. Die feigen Konterrevolutionäre hatte nur noch ihren dumpfen Hass gegen Revolutionäre wie Biermann aufzubieten, ein Hass, der sich bis heute hält.

Wenn Biermann sich für Israels Existenzrecht lautstark einsetzt, ist ihm der Hass von Millionen sicher. Als er sich im Bundestag gegen den elenden Rest der SED, die sich nun Linkspartei nennt, wandte, galt ihm erneut abgrundtiefer Hass – bis heute. Und gleiches folgte, als er sich gegen den politischen Arm des rechten Hasses, die AfD wandte.

Heinrich Mann schrieb 1933: „Der wahre Hass hat in seiner unermesslichen Tiefe mit unseren Fehlern nichts zu tun, aber viel mit unseren Werten.“ Biermann wurde gehasst, weil er sich immer die Freiheit nahm, die Freiheit zu verteidigen. Mit den Neuen Sozialen Medien hat Hass neue Ausdrucksformen gefunden, meist anonym, millionenfach gelikt, retweetet und kommentiert. Der verlängerte Arm des Hasses sitzt im höchsten deutschen Parlament. Hoffentlich flankiert er nur zufällig und nicht symbolisch die demokratischen Parteien dort. Aber: Deutschland ist nun auch so in der Welt des Spalter-Hasses angekommen, den nur Wimpernschläge von Pogromen, Anschlägen und Terror trennen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wolf Biermann musste ein Leben lang mit Hass gegen sich und sein Umfeld umgehen. Ganz oft stand er allein, obwohl er nie einsam war, nie agierte er anonym, nie versteckte er sich hinter anderen. Biermann hat den Feind immer Feind genannt, aber er wollte nie ein Racheengel sein („Nicht Rache, nein Rente, im Wandlitzer Ghetto.“). Er antwortete manchmal sehr hart, aber nie verblendet. Einmal schrieb er: „In Bezug auf Liebe und Hass aber gibt es zwischen dem alten und dem neuen Testament keine schroffe Grenze. Schon in Salomos Sprüchen steht geschrieben: ‚Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot; dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser.’ - Wohlgemerkt: mit Wasser und Brot, aber nicht mit Kaffee und Kuchen, denn mein Feind ist ein Feind.“

Natürlich muss niemand alles mögen, was Biermann im Laufe seines Lebenswerkes sagte – er selbst am allerwenigsten. Aber Biermann blieb sich treu, weil er sich änderte.

Nicht nur er, sondern viele sind von Hass betroffen, manche, wie die Bundeskanzlerin oder der Justizminister oder die Bundestagsvizepräsidentin, in einem noch intensiveren Maße. Kaum jemand aber hat das ein Lebenswerk lang so durchgestanden wie Wolf Biermann. Wenn wir ihn ehren wollen, dann sollten wir alle, die wir uns zur freiheitlichen Zivilgesellschaft hinzurechnen, aufhören, die Biermänner unserer Welt im Hassnebel stehen zu lassen, sondern sollten uns neben sie, hinter sie und vor allem vor sie stellen, damit sie auf unseren schmalen Schultern als Symbole eine Gesellschaft erleuchten, die gegen Hass aufsteht. Freiheit und Hass schließen einander aus.

Du, lass Dich nicht verhärten/
In dieser harten Zeit/
(...)
Du, lass Dich nicht erschrecken/
In dieser Schreckenszeit/
Das wolln sie doch bezwecken/
Dass wir die Waffen strecken/

In diesem Sinne ist Wolf Biermann der würdige Bewahrer einer Goldenen Viktoria im ewigen Kampf um Freiheit.

Danke!


Ost-Berlin am 20.05.1982, Peter "Blase" Rösch am Tag seiner Ausreise nach West-Berlin vor der Neuen Wache Unter den Linden.
© Bernd Albrecht/Robert-Havemann-Gesellschaft

Ein aktives, gemeinschaftsorientiertes Leben: Peter Rösch, „Blase“, engagierter SED-Opponent aus Jena bleibt unvergessen.

„Was auch immer du brauchst oder wenn es dir mal schlecht geht, ich bin immer für dich da“, so äußerte sich „Blase“, todkrank, gegenüber einer langjährigen Freundin aus Jena, als diese ihn Mitte Mai auf der Intensivstation im Klinikum Friedrichshain besuchte. Ende März war er ins Koma gefallen und nur selten noch aufgewacht.

Diese Worte, die vermutlich zu seinen letzten gehören, bringen sein Leben auf den Punkt. Wen er in sein Herz geschlossen hatte, für den war er da und bot Hilfe an, wo er nur konnte. Und das betraf einen riesigen, stets wachsenden Freundes- und Bekanntenkreis. Sein Freund und langjähriger Begleiter, der vor vier Jahren verstorbene Pfarrer Walter Schilling, nannte ihn deshalb manchmal „atheistischer Christ“. Ja, Peter Rösch war ein Protestant ohne Gottesglauben. Also nicht linksevangelikal, sondern eher in der Art von „Stell Dich mitten in den Regen … und versuche, gut zu sein.“ „Wir träumten davon, die sozialistische Gesellschaft zu verändern, das System menschlicher zu machen und auf diese Weise die Freiheit zu erringen", erläuterte er noch 2016 der von Adam Michnik herausgegebenen polnischen „Gazeta Wyborcza“. Am 17. Mai ist Peter Rösch, unser „Blase“ verstorben. Sein Körper konnte nicht mehr...

Initiates file downloadNachruf der Robert-Havemann-Gesellschaft auf einen Freund, geschrieben von Gerold Hildebrand

Initiates file downloadRede zur Trauerfeier am 30.06.2017 auf dem Georgen-Parochial-Friedhof in Berlin-Friedrichshain


Offener Brief an den Rektor der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“

Berlin, den 22. Mai 2017
  
Sehr geehrter Herr Professor Engler,
im Zusammenhang mit der feierlichen Wiedereröffnung des rekonstruierten b.a.t.- Studiotheaters der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ am 31. Mai 2017 hatten Sie den Begründer des „Berliner Arbeiter- und Studententheaters – b.a.t.“ nicht eingeladen.
Erst aufgrund unserer Nachfragen beim Berliner Senat und der von zahlreichen Medienvertretern erhielt Wolf Biermann plötzlich am 18. Mai eine form und schmucklose Einladung – ohne jeden persönlichen Bezug und ohne die Bitte, dass Wolf Biermann vor den Gästen spricht. Damit wollten Sie einen politischen Skandal abwenden. Tatsächlich erscheint uns Ihr Vorgehen aber als ein Versuch, Wolf Biermann öffentlich zu demütigen und politisch auszugrenzen. 

Wolf Biermann gründete 1961 mit Brigitte Soubeyran und Freunden das Ostberliner b.a.t. mitten in Prenzlauer Berg. Nach der ersten Probeaufführung der Eröffnungsrevue u.a. mit Wolf Biermanns erstem Stück „Berliner Brautgang“, in der es um die Mauer ging, wurde das Theater aus politischen Gründen von der SED-Führung geschlossen – noch bevor es eröffnet worden war. „Die Probeaufführung am 3. März 1963 endete“, schreibt Biermann in seiner Autobiographie, „mit einem Todesurteil. ...Nicht nur das Stück wurde politisch zerrissen, sondern das ganze b.a.t.-Projekt wurde liquidiert. Wir durften das Gebäude nicht mehr betreten. Hausverbot im eigenen Haus. “Jeder, der es wissen will, weiß, und Sie sollten als Rektor einer Kunsthochschule dazu gehören, dass mit dem b.a.t. -Verbot die Verdrängung Biermanns, die in der Ausbürgerung und jahrzehntelangen Verunglimpfung gipfelte, begann.
Doch statt die Chance zu nutzen, Wolf Biermann als Festredner zur Wiedereröffnung „seines Theaters“ zu gewinnen und damit Ihren Studenten und Studentinnen den Begründer ihrer Studiobühne zu präsentieren, grenzen Sie Wolf Biermann in der Tradition Ihrer früheren Partei, der SED, erneut aus. Denn es war kein Versehen, dass Wolf Biermann weder als Festredner eingeplant war noch überhaupt eine Einladung erhielt. Mehrfach betonte in Ihrem Auftrag der Kanzler der Hochschule, dass eine Einladung Biermanns wegen dessen Auftritt im Deutschen Bundestag am 7.November 2014, aus Anlass des 25. Jahrestages des Mauerfalls, nicht in Frage komme. Biermann hatte dort die SED-Nachfolgepartei, DIE LINKE, als „Drachenbrut“bezeichnet.
Man muss nicht Biermanns Meinung sein, aber in einer Schauspielhochschule sollten ein politisch unabhängiger Geist herrschen und die Freiheit der Kunst gelten.Ihr heutiges Vorgehen verwundert aber umso mehr, weil Sie nach Ihrem Philosophiestudium an der Humboldt-Universität ab Herbst 1981 als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Schauspielregie, das seinen Standort im b.a.t. hatte, arbeiteten und somit die Geschichte dieses Hauses und die Rolle Wolf Biermanns bestens kannten. Warum verhinderten Sie dann seit Monaten, Wolf Biermann zu dem bevorstehenden Festakt einzuladen und ihm dort das Wort zugeben?
Wir protestieren gegen den erneuten praktischen Herauswurf von Wolf Biermann aus dem b.a.t. und die damit von Ihnen bewusst herbeigeführte Demütigung eines der bedeutenden deutschen Künstler und kritisch-politischen Geister („Wolf Biermann hat ein Stück deutsche Identität gestiftet.“ – Helmut Schmidt).Sie schaden mit Ihrem Vorgehen, das niemand verständlich zu machen ist, dem Ruf der renommierten Hochschule und dem von Berlin als weltoffener Stadt, dessen Ehrenbürger Wolf Biermann seit 2007 ist. Wir bitten Sie nun auch um nichts, schon gar nicht darum, dass Sie Ihre unsägliche Entscheidung zurücknehmen. Lassen Sie es dabei, Wolf Biermann nicht dorthin einzuladen, wo das Auftrittsverbot von ihm 1963 begann und sich 2017 durch Sie wiederholt.

Ilko -Sascha Kowalczuk / Historiker und Autor
Ines Geipel / Schriftstellerin und Hochschulprofessorin
Freya Klier / Dokumentarfilmerin und Schriftstellerin (ehemalige Studentin am b.a.t.)
Günter Jeschonnek / Regisseur und Autor (ehemaliger Student am b.a.t.)

Arndt, Susan - Literaturwissenschaftlerin

Bickhardt, Stephan - Pfarrer und Polizeiseelsorger in Leipzig

Birthler, Marianne - Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen 2001 bis 2011

Bischitzky, Vera - Slawistin und Übersetzerin

Booß, Christian Vorsitzender Bürgerkomitee „15. Januar“ e.V. Berlin

Buch, Hans Christoph - Schriftsteller

Brüning, Uschi - Sängerin

Bürger, Wolfram - Pfarrer

Cramer, Michael - seit 2004 MdEP; 1989 bis 2004 MdL

Dücker, Berthold - Initiator der Gedenkstätte Point Alpha

Eckert, Rainer - Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig 1997 bis 2015

Eppelmann, Rainer - seit 1998 Vorstandsvorsitzender der Stiftung zur Aufarbeitung der

SED-Diktatur; 1990 bis 2005 MdB

Faust, Siegmar - Schriftsteller

Flimm, Jürgen - Intendant

Florath, Bernd - Historiker

Grasnick, Ulrich - Schriftsteller

Grimmling, Hans-Hendrik - Maler

Halbrock, Christian - Historiker

Hilsberg, Stephan - 1990 bis 2009 MdB

Hirsch, Ralf - Bürgerbüro-Verein zur Aufarbeitung der Folgeschäden der SED-Diktatur e.V.

Klaußner, Burghart - Schauspieler

Kornfeld, Simone - Bildende Künstlerin

Kreibich, Rolf - Zukunftswissenschaftler, Mitglied im Weltzukunftsrat

Kunert, Günter - Schriftsteller

Lehmann-Brauns, Uwe – Rechtsanwalt und Kulturpolitiker; bis 2016 MdL

Lieberknecht, Christine - Theologin, 2009 bis 2014 Ministerpräsidentin Thüringens

Liebermann, Doris - Autorin

Maaß, Ekkehard - Liedersänger, Publizist und Übersetzer

Meckel, Markus - Ratsvorsitzender Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; 1990 bis 2009 MdB

Neubert, Hildigund - Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen Thüringen 2003 bis 2013

Neubert, Ehrhart - Autor und Fachbereichsleiter in der Stasi-Unterlagenbehörde 1997 bis 2005

Nooke, Günter - Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin

Öhler, Andreas - Journalist

Ralf Ollertz – Komponist und Künstlerischer Leiter cie. toula limnaios

Otte, Eva-Maria - Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ i.R.

Petersen, Andreas - Historiker

Petrowsky, Ernst-Ludwig - Musiker

Poppe, Grit - Schriftstellerin

Rathenow, Lutz - Schriftsteller; seit 2011 Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in                           Sachsen

Rühle, Günther - Autor, Theaterkritiker

Sallmann, Salli - Kulturredakteur

Schädlich, Krista Maria - Lektorin

Schall, Johanna - Schauspielerin und Regisseurin

Schnitzler, Barbara - Schauspielerin

Schreiber, Ulrich - Direktor des internationalen Literaturfestivals Berlin

Schröder, Richard - Theologe

Schulz, Werner - 1990 bis 2014 MdB und MdEP

Schwabe, Uwe - Vorstandsvorsitzender Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Sello, Tom - Publizist und Kurator der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.

Servais, Roger David - Bildender Künstler

Simon, Annette - Psychoanalytikerin

Singelnstein, Christoph - Journalist

Soubeyrand, Manuel - Intendant Neue Bühne Senftenberg

Templin, Wolfgang - Publizist

Walther, Joachim - Schriftsteller

Weiß, Konrad - Filmregisseur und Publizist

Welsch, Wolfgang - Publizist und Autor (1961 Schauspieleleve am b.a.t.)

Wieland, Wolfgang - 2001 bis 2002 Berliner Justizsenator, 2005 bis 2013 MdB

Wolffsohn, Michael - Historiker und Publizist

Zimmer, Dieter E. - Autor

Zoul, Javad - Sozialarbeiter

Zur Diskussion um das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin

Berlins Kultursenator Klaus Lederer schreibt im Tagesspiegel vom 02. Mai 2017 unter dem Titel "EINHEITSDENKMAL? SO BITTE NICHT - Runter von der Wippe!" 
"Das geplante Einheitsdenkmal ist ästhetisch und symbolisch fragwürdig und steht an einem denkbar ungeeigneten Ort. Deswegen brauchen wir einen Neustart der Diskussion."

Auf den Artikel reagierte der Unterstützer des Denkmals Günter Jeschonnek mit: Initiates file download"Argumentation gegen das Freiheits- und Einheitsdenkmal unter dem intellektuellen Niveau eines Kultursenators"


Offener Brief an die Mitglieder des Kultur- und Medienausschusses des Deutschen Bundestags und die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages ihre Entscheidung gegen ein Freiheits- und Einheitsdenkmal zu überdenken. (November 2016)

Offener Brief

Stellungnahme der Planer Milla&Partner zu den diversen Irrtümern und Kolportagen zum Entwurf. (28. November 2016)

Ulrike Poppe geht vorfristig in den Ruhestand

Die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, hat die Landtagspräsidentin um vorfristige Versetzung in den Ruhestand gebeten. Frau Poppe war im Dezember 2009 vom Brandenburger Landtag als erste Aufarbeitungsbeauftragte des Landes für sechs Amtsjahre gewählt worden.

Initiates file downloadPresseerklärung

Stiftung "Anerkennung und Hilfe"

Ein wenig unbemerkt von der Öffentlichkeit ist von Bund, Ländern und Kirchen die Stiftung "Anerkennung und Hilfe" gegründet worden für Menschen, die als Kinder und Jugendliche in der Zeit von 1949 bis 1975 (Bundesrepublik Deutschland) bzw. 1949 bis 1990 (DDR) in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen Leid und Unrecht erfahren haben". 

Website Opens external link in new window"Stiftung Anerkennung und Hilfe"

Michael Kukutz, Mitbegründer und langjähriges Mitglied der Robert-Havemann-Gesellschaft ist gestorben.

Michael Kukutz, Mitbegründer und langjähriges Mitglied der Robert-Havemann-Gesellschaft ist am 13. Januar 2017 nach schwerer Krankheit gestorben. 

Der gelernte Buchdrucker und spätere Druckgrafiker gehörte in der DDR zu denen, die sich mit den entmündigenden Verhältnissen nicht arrangieren wollten. Beruflich mit einer eigenen Kupferdruckwerkstatt und privat in einem großen oppositionellen Freundeskreis war es ihm möglich, in weitgehender Unabhängigkeit zu leben. Bis die Revolution 1989 seinem Leben eine vollkommen neue Wendung gab. Als Mitglied der Initiativgruppe des Neuen Forums stürzte er sich von Beginn an in die Aufbauarbeit der größten Bürgerbewegung des Herbstes 1989. Im Januar 1990 wurde er für eineinhalb Jahre ihr Bundesgeschäftsführer. Geschäftsführer wurde dann zu seinem zweiten Beruf. Von 1991 bis 1993 hatte er diese Funktion im BasisDruck inne, dem ersten unabhängigen Verlag der DDR, 1994 bis 2006 im „Café Torpedokäfer“ im Stadtbezirk Prenzlauer Berg.

 

Nun lebt er nicht mehr. Wir trauern mit seiner Frau und seinen Söhnen um ihn.

 

Vorstand, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Robert-Havemann-Gesellschaft

Berlins Kultursenator Klaus Lederer besucht Stasi-Zentrale und informiert sich über Pläne zur Zukunft des Geländes
Robert-Havemann-Gesellschaft mahnt Linkspartei zum verantwortungsvollen Umgang mit DDR-Geschichte

Berlin, 18. Januar 2017 – Am Montag besuchte Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) auf Einladung der Robert-Havemann-Gesellschaft (RHG) die Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Bei seinem Rundgang informierte sich der Kultursenator über die Pläne der RHG auf dem Gelände. Dr. Olaf Weißbach, Geschäftsführer der RHG, erinnerte an die Verantwortung Berlins bei der Entwicklung der Stasi-Zentrale als Ort der Aufklärung. Mit Blick auf den Start der Berliner Koalition mahnte RHG-Projektleiter Tom Sello die Partei Die Linke zu einem verantwortungsvollen Umgang mit DDR-Geschichte.

Dokumente und Reaktionen zur Veranstaltung „Einmal Stasi – immer Stasi? Der „Fall Andrej Holm” und der gesellschaftliche Umgang mit der jüngsten Vergangenheit" am 06. Januar 2017 im Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Prenzlauer Berg

Hier finden sie die vom BStU im Januar 2017 herausgegebenen Akten des MfS als PDF.

Begrüßung durch den Geschäftsführer der Robert-Havemann-Gesellschaft.

Impulsreferat des assoziierten Forschers der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. 

Live-Video der Podiumsdiskussion und Bericht von rbb24.de

Erklärung des Staatssekretärs Dr. Andrej Holm vom 13.01.2017 zur Stellungnahme gegenüber der Humboldt-Universität zu Berlin

Die Humboldt-Universität hat auf ihren Seiten den inhaltsgleichen Vordruck „Zusatzfragebogen zum Personalfragebogen”, den auch Andrej Holm ausfüllen musste.

Rücktrittserklärung von Andrej Holm

Festrede von Freya Klier zum sächsischen Bürgerpreis 2016

"Ich dachte: Wenn man vor einem Jahr aufgehört hätte, diese Leute unentwegt im Fernsehen zu präsentieren, hätte sich das ganze wohl längst erledigt." 

Festrede von Freya Klier, gehalten am 17. Oktober 2016 in der Dresdener Frauenkirche.

Bundespräsident Gauck besuchte am 9. Oktober 2016 die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall” in Berlin-Lichtenberg

Anlässlich des Jahrestags der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig hat Bundespräsident Joachim Gauck heute die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall” der Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin besucht. An diesem Tag fand in Leipzig die größte Protestdemonstration der DDR seit dem Volksaufstand von 1953 statt. Ihr friedlicher Verlauf ermutigte viele Menschen in der DDR, für Freiheit und Demokratie einzutreten. Bei seinem Rundgang durch die Ausstellung würdigte der Bundespräsident das Engagement der Ostdeutschen in der Friedlichen Revolution und sagte:

„Bei der Friedlichen Revolution 1989 handelt es sich um eines der ganz großen Daten der deutschen Freiheitsgeschichte. Deshalb muss das, was eine Minderheit der Deutschen im Osten geleistet hat, ins ständige Bewusstsein der gesamten Nation gerückt werden. Wir können stolz darauf sein, was damals gelungen ist, trotz all der Ängste. Das sollten wir uns gerade an dem heutigen Tag klarmachen.

Die Leipziger Montagsdemonstrationen – wie die Proteste in Dresden, Plauen und Berlin – sind zentraler Bestandteil der Dauerausstellung „Revolution und Mauerfall”. In der Zusammenschau vieler kleiner und großer Aktionen und Demonstrationen zeigt sie die Dimensionen der Freiheitsrevolution. Sie verdeutlicht aber auch, dass 1989 keine ostdeutsche, sondern eine europäische Revolution für eine offene, demokratische und freiheitliche Gesellschaft war.

„Diese Ausstellung hat den Vorteil, dass sie das, was damals gehofft und mündlich verbreitet wurde, auch für die Menschen aufbereitet, die nicht dabei waren, so der Bundespräsident. Je weiter die Zeit voranschreite, desto weniger Zeitzeugen werde es geben. „Deshalb brauchen wir eine verfestigte Tradition für dieses große Datum der Freiheitsgeschichte”, betonte er.

Gauck unterstrich, er freue sich, dass in der Ausstellung auch eine kleine Stadt wie Plauen im Vogtland gewürdigt werde, wo die Bürger wie in Berlin schon am 7. Oktober die Feier zum 40. Jahrestag der DDR zu einer großen Gegendemonstration gegen das Regime umgemünzt hätten. Dies sei ein „Plädoyer für Mut, für eine Bürgerhaltung des Sicheinmischens”, die in jede Zeit passe, in eine Diktatur wie in eine freiheitliche Gesellschaft: „Ohne Bürger, die sich einmischen, dünnt die Demokratie aus. Insofern spricht so eine Ausstellung aus einer anderen Zeit auch mitten hinein in die aktuelle Gegenwart.

Zum Abschluss seines Ausstellungsrundgangs schrieb Bundespräsident Gauck ins Gästebuch: „Vor der Einheit kam die Freiheit! Dank an alle Menschen, die damals mitgewirkt haben.

Zur Diskussion um die Zukunft der Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur

Die Robert-Havemann-Gesellschaft dokumentiert hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit Opens internal link in current windowVeröffentlichungen, Stellungnahmen, Positionen und Berichte zur Diskussion um die sogenannte Expertenkommission zur Zukunft des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit.

Verdienstorden des Landes Berlin für Frank Ebert

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hat Frank Ebert, Mitbegründer des Archivs der DDR-Opposition, den Verdienstorden des Landes Berlin verliehen. Die Verleihung fand am 1. Oktober im Berliner Rathaus statt. Mit dem Verdienstorden würdigt das Land Berlin Frank Eberts herausragende Verdienste bei dem Projekt „Lichtgrenze” anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls am 9. November 2014.

Presseerklärung der Robert-Havemann-Gesellschaft

Rede des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin

Das russische Staatsfernsehen verteidigt die Invasion von 1968 der Tschechoslowakei

Dem Dokumentarfilm zufolge handelte es sich bei dem Pakt um eine Schutzallianz, welche die Verbündeten der Sowjetunion vor einer „aggressiven” NATO verteidigen sollte. In diesem Geiste verteidigte das Fernsehen auch die sowjetische Invasion in die Tschechoslowakei im August 1968, die gemäß der Fernsehstation eine „wirklich ernste Prüfung der vereinten Waffenkräfte des Warschauer Pakts” darstellte.

Das Onlinemedium Euromaidan Press

Geschichtsklitterung à la Putin. Eine Petition drängt auf deren Ausstrahlung im tschechischen TV.

Der Bürgerrechtler und Publizist Wolfgang Templin erhält Viadrina-Preis

Der Bürgerrechtler und Publizist Wolfgang Templin erhält den diesjährigen Viadrina-Preis des Förderkreises der Europa-Universität Viadrina für seine Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung.

UKRAINE
In der Region Donezk hält der Krieg an. Ein Reisebericht von beiden Seiten der Front (Wolfgang Templin in der TAZ vom 03.01.2015)

Organisation "Gedenkstätte für die Geschichte der politischen Repressionen Perm 36" stellt Tätigkeit ein.

Die Verhandlungen zwischen der unabhängigen, zivilgesellschaftlichen Organisation „Gedenkstätte für die Geschichte der politischen Repressionen 'Perm 36'” und der Permer Gebietsadministration bezüglich des Erhalts der Gedenkstätte sind offenbar ergebnislos gescheitert.

Der Vorstand von „Perm 36” gab gestern resigniert bekannt, dass die Organisation aufgrund der Perspektivlosigkeit ihre Tätigkeit einstellt und die „Selbstauflösung” vorbereitet.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte bedanken sich ausdrücklich für die überwältigende Unterstützung und den Zuspruch aus dem In- und Ausland.

Petition zum Erhalt der Gedenkstätte.

Alexander Kalich zur Situation der Gedenkstätte Perm 36: „Feindliche Übernahme” des GULAG-Museums „Perm 36”

Nichtregierungsorganisation Perm-36 ist zu einer Strafzahlung verurteilt.

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen legt Kondolenzbuch für Boris Nemzow aus

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat für den ermordeten russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow ein Kondolenzbuch ausgelegt. „Wir wollen allen Menschen, die sich mit der demokratischen Opposition in Russland verbunden fühlen, die Möglichkeit geben, ihre Anteilnahme mit dem russischen Volk und den Angehörigen des Ermordeten zum Ausdruck zu bringen,” sagte Gedenkstättenditektor Hubertus Knabe am Sonntag (1.3.).

„Eigentlich wäre die Auslegung eines solchen Buches ja die Aufgabe der Botschaft der Russischen Föderation. Aber viele unserer Mitarbeiter und Besucher fühlen sich eng mit denjenigen verbunden, die in Russland unter hohem persönlichen Risiko für Freiheit und Demokratie eintreten und die heute in Moskau auf die Straße gehen.”

25 Jahre Mauerfall: Die Robert-Havemann-Gesellschaft erinnert an die Friedliche Revolution und den Mauerfall von 1989

Eines unserer arbeitsreichsten Projekte (der letzten 5 Jahre), das wir mit Kulturprojekte Berlin GMBH umgesetzt haben, startet demnächst: Hier das Programm vom 7.-9. November!

Programm für die Tage vom 07. November - 09. November 2014

Schicken Sie Ihre Botschaft nach Berlin!

Der Museumsdienst Berlin bietet am Jubiläumswochenende rund um die Publikumsorte Mauerpark, Checkpoint Charlie und East Side Gallery insgesamt 102 Führungen in Deutsch und Englisch an. Interessierte haben dort spontan die Möglichkeit, zur vollen Stunde an einer Führung teilzunehmen. Tickets gibt es direkt an den Infopoints. Die Führungen dauern eine Stunde und enden wieder am Ausgangort.

Hier das Führungsprogamm als PDF.

Marco Wanderwitz, Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien, besuchte das Archiv der DDR-Opposition in Berlin

„Der politische Wille ist da, dass wir in dieser Legislaturperiode eine dauerhaft tragfähige Lösung finden, die die Zukunftsfähigkeit der Robert-Havemann-Gesellschaft erhält und eine finanzielle Sicherung schafft”, so der Bundestagsabgeordnete. „Ein nicht ganz dünnes Brett, aber das werden wir schaffen”.


Pressemitteilung der Robert-Havemann-Gesellschaft vom 04.07.2014

Bundespräsident Gauck besuchte am 17. Juni 2014 das Archiv der DDR-Opposition

Bundespräsident Joachim Gauck hat mit seinem Besuch in der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. (RHG) den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 gewürdigt. Im Archiv der DDR-Opposition werde gesammelt und dokumentiert, was es auch schon in frühen Zeiten an Widerstand gegen die SED-Diktatur gegeben habe, sagte der Bundespräsident. Er betonte, wie wichtig die Erinnerung an diejenigen sei, die sich zur Wehr gesetzt hätten: „In diesem Land muss man mehr über die Menschen reden, die Zivilcourage gezeigt haben.”

Presseerklärung der RHG